Insellösung für die Stadt der Zukunft

Gearbeitet haben wir in Johannesburg oft bei Kerzenschein, der Strom fällt hier immer noch regelmäßig aus“, erinnert sich Ludger Eltrop von der Universität Stuttgart. Mit seinem Team hat er vor Ort in der südafrikanischen Stadt im Rahmen einer Gastprofessur untersucht, wie das Energieproblem der Megastadt gelöst werden könnte. Ergebnis: Es gibt keine singuläre Technologie wie etwa eine Solaranlage, die die Versorgung sicherstellen könnte, sondern nur die intelligente, also smarte Bündelung verschiedener Technologien und Lösungen.

Das Beispiel Johannesburg ist typisch für die vielen immer größer werdenden Städte Afrikas und Asiens. Vor allem Unternehmen tun sich schwer, dort genügend sichere Energie für ihre Fertigung verfügbar zu haben. In der Metropole Johannesburg leiden nicht nur die etwa 4,5 Millionen Einwohner, sondern auch Industriebetriebe unter den häufigen Stromausfällen. Was nützt der Automobilbranche die beste Automatisierung, wenn Stromausfälle die Förderbänder zum Stillstand bringen oder Produktionsprozesse und Maschinen zu viel Strom verbrauchen?
Einer der Ansätze zur Lösung dieser Problematik ist das, was in Fachkreisen unter „Smart Energy“ angegangen wird. „Energieprobleme wie in Johannesburg und anderen Großstädten der Emerging Markets könnten durch das richtige Energy-Management gelöst werden“, ist Martin Powell sicher, Head of Urban Development bei Siemens. Bis es so weit ist, hat der Münchner Technologiekonzern deshalb „Microgrids“ für die industrielle Stromversorgung entwickelt. Durch den Einsatz von intelligenten Speichersystemen kann der Betrieb die Form einer elektrischen Insel annehmen, die eine reibungslose Produktion sicherstellt – ungeachtet der öffentlichen Energieversorgung, die an Standorten wie Johannesburg unzuverlässig ist.

„Die energetische Sanierung von Quartieren erfordert ein intelligentes Konzept. Damit wird sie zu einem wesentlichen Bestandteil nachhaltiger Stadtentwicklung.“

Volker Breisig, Partner bei PwC Deutschland und Fachmann für energiewirtschaftliche Beratung

Die smarte Gebäudetechnologie ist eine globale Herausforderung, die alle Städte betrifft. Immerhin sind Licht, Heizung und Kühlung mit 40 Prozent Anteil am gesamten Stromverbrauch die größten Energiefresser – erst recht in Städten wie Paris, London oder New York, wo zahlreiche Gebäude 100 Jahre und älter sind. Auch auf diesem Feld hat Siemens eine richtungweisende Lösung entwickelt – für die 123 Jahre alte wie altehrwürdige Carnegie Hall in New York. „Die Stromversorgung muss hier funktionieren wie ein Symphonieorchester, bei dem alles in perfekter Harmonie sein muss zwischen allen Instrumenten, die in die Versorgungssysteme involviert sind“, berichtet Martin Powell direkt von seinem Projekt vor Ort. „Das Gebäude-Automatisierungssystem ist dabei der Dirigent, der alle Komponenten energiesparend kontrolliert, indem die Temperaturen oder die Luftfeuchtigkeit kalibriert werden, um eine optimale Umgebung und Atmosphäre für Künstler und Publikum herzustellen.“ Nach Abschluss der Renovierung können in der Carnegie Hall verschiedene Systeme – wie Klima, Strom und Sicherheit – von einem zentralen Ort digital gesteuert und kontrolliert werden.

Auch kleine Projekte können zum Energiemanagement beitragen, wie das Beispiel der „Klimastraße“ in Köln zeigt. Die „Klimastraße“ ist ein Teilprojekt von „SmartCity Cologne“. Auf einem Teilstück der Neusser Straße im Stadtteil Köln-Nippes engagieren sich Anwohner und Gewerbetreibende wie Auto Strunk und Galeria Kaufhof gemeinsam für Energieeinsparungen. So wurden durch den Einsatz von LED-Leuchten 64 Prozent des Beleuchtungsstroms eingespart. Über den Einsatz moderner Messtechnik von RheinEnergie sparen die Mitarbeiter des Bezirksrathauses Strom beim Einsatz von Licht und Computern – mit derselben Messtechnik im Verbund können Wohnungs- und Ladenbesitzer ihre Strom- und Heizkosten um immerhin sieben Prozent senken. Lauter Insellösungen, aber – ganz im Sinne von Ludger Eltrop – in der Summe wirkungsvoll.

Bildnachweis: mauritius images/ alamy, PwC

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