Rollende Zukunft

Die Straßen von San Francisco haben schon einiges erlebt. Karl Malden und Michael Douglas kämpften auf ihnen in den 70er-Jahren gegen Verbrecher, und Steve McQueen zelebrierte auf dem Hügelkurs an der Bay als Lieutenant Frank Bullitt die spektakulärste Verfolgungsjagd der Filmgeschichte. Heute geht es dort beschaulicher zu – aber bisweilen mindestens genauso spannend. Nämlich dann, wenn das selbstfahrende Forschungsfahrzeug „Mercedes F 015 Luxury in Motion“ von der Columbus Avenue abbiegt oder die Market Street im Herzen von San Francisco überquert. Dann können Anwohner, Passanten und Touristen einen Blick erhaschen auf eines der rollenden Zukunftskonzepte zur Lösung der Verkehrsprobleme in den Megacitys rund um den Globus. Denn die gehören mit Abstand zu den größten Infrastruktur-Herausforderungen aller Bevölkerungszentren. „Das Auto wächst über seine Rolle als Transportmittel hinaus und wird endgültig zum mobilen Lebensraum“, postuliert Daimler-Chef Dieter Zetsche. Bei seinem 5,22 Meter langen Zukunftsmodell geht es aber nicht nur um Mobilität, sondern auch um die effektive Nutzung der Zeit.

„Wir werden in 15 Jahren mehr unterwegs sein, und die Zeit wird noch mehr als jetzt zu einem Luxusgut werden“, blickt Mercedes-Designer Holger Hutzenlaub in die Zukunft. Die gilt es, effizienter denn je zu nutzen, und das Auto soll Vorreiter sein: Ob Telefonkonferenz, ein virtueller Abstecher zu Frau und Kindern oder ein entspannender Film, um den Kopf frei zu kriegen – all dies wird auf dem Rücksitz möglich sein, ohne Fahrer versteht sich. Für die Daimler-Entwickler steht fest, dass schon im Jahr 2030 viele Strecken vollautonom zurückgelegt werden können.

Ob in Neu-Delhi, wo das Metronetz immer noch viel zu klein ist für die Menschenmassen, die täglich die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, oder in Tokio, das wie kaum eine andere Megastadt mit einem hohen Verkehrsaufkommen im Individualverkehr kämpft – weltweit stehen jedes Land und jede Region vor unterschiedlichen Verkehrsproblemen. Für London, größte Metropole Europas, wurde „Smart Traffic“ dringend notwendig, als der Ausbau der Infrastruktur mit dem starken Bevölkerungswachstum nicht mehr Schritt halten konnte. Die City-Maut, die in London vor zehn Jahren eingeführt wurde, war erst der Anfang. Damit ging das Verkehrsaufkommen um 20 Prozent zurück und die Zahl der Verkehrsstaus verringerte sich um ein Drittel. Heute fahren täglich 60 000 Fahrzeuge weniger durch London.

„Metropolen benötigen dringend intelligente Verkehrskonzepte. Nur vernetzte und gesteuerte Systeme bewahren sie vor dem Kollaps.“

Georg Teichmann, Senior Manager und Experte für Elektromobilität bei PwC Deutschland

Das Mautsystem ist dabei Teil einer von Siemens entwickelten integrierten Verkehrslösung, bei der Straße und Schiene intelligent vernetzt werden, um die vorhandene Infrastruktur optimal zu nutzen. Eine neue Regionalzug-Flotte verbesserte den Pendlerverkehr, und der Heathrow Express und Heathrow Connect verbinden die Stadt direkt mit dem Flughafen. Durch die allgemeine Automatisierung von Zugsystemen und fahrerlose Züge wurde die Kapazität des bestehenden Systems um 30 Prozent gesteigert. „Zugführer reagieren immer menschlich. Sie vergewissern sich manchmal zu oft. Und sie üben Nachsicht und warten auf Passagiere, obwohl man die Türen schon schließen könnte. Das führt jedoch in Summe zu zeitlichen Verzögerungen. Ein automatisches Zugsystem hingegen schließt die Türen punktgenau“, schildert Martin Powell, Head of Urban Development bei Siemens. Dazu kommt eine 30-prozentige Reduzierung des Energiebedarfs, weil das Gesamtsystem effizienter arbeitet. Weitere Optimierungen bietet das satellitengestützte Leitsystem für 8000 Londoner Busse mit Fahrgastinformationen und Fahrrouten.

Bildnachweis: Daimler, PwC

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