Lust aufs Land

Die Westpfalz ist nicht gerade der Nabel der Welt. Erst recht keine Megaregion. Und doch spielt hier die Musik für ein aufschlussreiches Zukunftsprojekt – das Gegenstück zu den Smart Citys: „Smart Country“. Das künftige Landleben in der spärlich besiedelten Ecke von Rheinland-Pfalz ist smart, digital und hip – wenn es nach dem Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE in Kaiserslautern geht. Denn während immer mehr Menschen in Städten leben – in Deutschland sind das rund 70 Prozent –, soll die Lebensqualität auf dem Land nicht noch weiter sinken.

Für die Probleme, die es in zahlreichen Regionen genauso gibt wie in der Westpfalz – wenige Jobs, schlechten öffentlichen Nahverkehr, weite Entfernung zum Landarzt oder zum Logistiker, der den Aufwand nicht betreiben will, für die Zustellung 15 Kilometer aufs Lan

Die Westpfalz ist nicht gerade der Nabel der Welt. Erst recht keine Megaregion. Und doch spielt hier die Musik für ein aufschlussreiches Zukunftsprojekt – das Gegenstück zu den Smart Citys: „Smart Country“. Das künftige Landleben in der spärlich besiedelten Ecke von Rheinland-Pfalz ist smart, digital und hip – wenn es nach dem Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE in Kaiserslautern geht. Denn während immer mehr Menschen in Städten leben – in Deutschland sind das rund 70 Prozent –, soll die Lebensqualität auf dem Land nicht noch weiter sinken.

Für die Probleme, die es in zahlreichen Regionen genauso gibt wie in der Westpfalz – wenige Jobs, schlechten öffentlichen Nahverkehr, weite Entfernung zum Landarzt oder zum Logistiker, der den Aufwand nicht betreiben will, für die Zustellung 15 Kilometer aufs Land zu fahren –, gab es bisher so gut wie keine Lösungen. Das Fraunhofer-Projekt der „Smart rural areas“, erstmals im März auf der Cebit präsentiert, will das ändern. Die Lebensqualität auch abseits der urbanen Knotenpunkte, das Leben in schwächer besiedelten Regionen und Landstrichen soll durch smarte digitale Technologien spürbar verbessert werden – nicht nur in Rheinland-Pfalz und nicht allein in Deutschland, sondern perspektivisch weltweit.

Gemeinsam mit der Landbevölkerung sowie Unternehmen entstehen Konzepte, die der bröckelnden Infrastruktur entgegenwirken: Nahverkehrsbusse, die auch Pakete ausliefern, Schulbusse, die Schüler nicht an der Haltestelle absetzen, sondern direkt an der Haustür. Die Not in weniger dicht besiedelten Gegenden macht erfinderisch. „Wir können die vorhandenen Initiativen, die ländliche Infrastrukturen erhalten wollen, noch intelligenter nutzen: indem wir sie über moderne Kommunikationstechnologie miteinander vernetzen“, sagt Projektleiter Mario Trapp vom Fraunhofer IESE und nennt ein Beispiel: „Ohne die Schüler gäbe es mittlerweile in manchen Regionen überhaupt keine Personenbusse mehr. Andernorts gibt es Mitfahrangebote. Wüssten alle Beteiligten voneinander, könnte mithilfe moderner IT das Transportsystem einer ganzen Region optimiert werden.“
Zu den Projekten, die bereits konkret mit Unternehmen aus der Region gestartet wurden, gehören unter anderem solche wie John Deere im Sektor innovativer Landwirtschaftskonzepte („Smart Farming“) und das Westpfalz-Klinikum, das durch eine moderne medizinische Überwachung von Patienten ein schnelleres Reagieren im Notfall ermöglicht. Im Bereich des autonomen Fahrens forscht das IESE mit Partnern der Automobilindustrie an Lösungen, die beispielsweise das Pendeln mit dem Auto vom notwendigen Übel zur sinnvoll genutzten Transferzeit machen.

Weitere Chancen für neue Geschäftsmodelle bieten „Smarte Lifestyle-Corners“. War die Warenauswahl auf dem Land bisher eher mager, können die Händler ein völlig neues Category-Management entwickeln, mit dem die Kaufgewohnheiten einer regionalen Zielgruppe (on- und offline) analysiert werden und das Sortiment nicht nach Sparten, sondern nach den Vorlieben der Kunden sortiert ist. Und wenn doch etwas bestellt oder zurückgegeben werden muss, können die Pakete vom Nachbarn aus dem smarten Tante-Emma-Laden (neudeutsch: Multiservice-Shop) mitgenommen werden. Dazu kann die Technologie von Carsharing genutzt werden, um die Kofferraumlieferung zu optimieren. Wie in den Megastädten ist die Informationstechnologie auch auf dem Land der entscheidende Faktor für eine lebenswerte Zukunft.

d zu fahren –, gab es bisher so gut wie keine Lösungen. Das Fraunhofer-Projekt der „Smart rural areas“, erstmals im März auf der Cebit präsentiert, will das ändern. Die Lebensqualität auch abseits der urbanen Knotenpunkte, das Leben in schwächer besiedelten Regionen und Landstrichen soll durch smarte digitale Technologien spürbar verbessert werden – nicht nur in Rheinland-Pfalz und nicht allein in Deutschland, sondern perspektivisch weltweit.

Gemeinsam mit der Landbevölkerung sowie Unternehmen entstehen Konzepte, die der bröckelnden Infrastruktur entgegenwirken: Nahverkehrsbusse, die auch Pakete ausliefern, Schulbusse, die Schüler nicht an der Haltestelle absetzen, sondern direkt an der Haustür. Die Not in weniger dicht besiedelten Gegenden macht erfinderisch. „Wir können die vorhandenen Initiativen, die ländliche Infrastrukturen erhalten wollen, noch intelligenter nutzen: indem wir sie über moderne Kommunikationstechnologie miteinander vernetzen“, sagt Projektleiter Mario Trapp vom Fraunhofer IESE und nennt ein Beispiel: „Ohne die Schüler gäbe es mittlerweile in manchen Regionen überhaupt keine Personenbusse mehr. Andernorts gibt es Mitfahrangebote. Wüssten alle Beteiligten voneinander, könnte mithilfe moderner IT das Transportsystem einer ganzen Region optimiert werden.“
Zu den Projekten, die bereits konkret mit Unternehmen aus der Region gestartet wurden, gehören unter anderem solche wie John Deere im Sektor innovativer Landwirtschaftskonzepte („Smart Farming“) und das Westpfalz-Klinikum, das durch eine moderne medizinische Überwachung von Patienten ein schnelleres Reagieren im Notfall ermöglicht. Im Bereich des autonomen Fahrens forscht das IESE mit Partnern der Automobilindustrie an Lösungen, die beispielsweise das Pendeln mit dem Auto vom notwendigen Übel zur sinnvoll genutzten Transferzeit machen.

Weitere Chancen für neue Geschäftsmodelle bieten „Smarte Lifestyle-Corners“. War die Warenauswahl auf dem Land bisher eher mager, können die Händler ein völlig neues Category-Management entwickeln, mit dem die Kaufgewohnheiten einer regionalen Zielgruppe (on- und offline) analysiert werden und das Sortiment nicht nach Sparten, sondern nach den Vorlieben der Kunden sortiert ist. Und wenn doch etwas bestellt oder zurückgegeben werden muss, können die Pakete vom Nachbarn aus dem smarten Tante-Emma-Laden (neudeutsch: Multiservice-Shop) mitgenommen werden. Dazu kann die Technologie von Carsharing genutzt werden, um die Kofferraumlieferung zu optimieren. Wie in den Megastädten ist die Informationstechnologie auch auf dem Land der entscheidende Faktor für eine lebenswerte Zukunft.

Bildnachweis: Westend61/GettyImages

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