Im Dienst der Bürger

Der „Melde-Michel“ in Hamburg ist keineswegs der Spitzname für einen stadtbekannten Querulanten. Sondern so heißt in der Hansestadt eine ausgefeilte Internetseite, die online Bürgerbeschwerden entgegennimmt. Mit digitalen Services wie diesem zählt Hamburg zu den drei deutschen Top-Städten in Sachen Digitalisierung. Spitzenreiter ist Köln, nicht zuletzt aufgrund der Breitbandversorgung mit mindestens 50 Mbit/s für mehr als 95 Prozent der Haushalte. Hinter Hamburg als Dritter auf dem Treppchen landet München. Die bayerische Landeshauptstadt überzeugt vor allem beim Thema „E-Partizipation“, der Möglichkeit der Bürgerbeteiligung über das Internet.

In der aktuellen Studie „Deutschlands Städte werden digital“ hat PwC anhand von 20 Indikatoren untersucht, was die 25 größten deutschen Städte ihren Bürgern im Netz zu bieten haben: Gibt es die Möglichkeit, online einen Termin mit dem Amt zu vereinbaren? Hat die Stadt eine eigene App fürs Handy? Gibt es einen Kita-Navigator, mit dem Eltern Kitaplätze für ihre Kinder vormerken können?

Besonders auffallend: Die Top-Ten-Städte des Rankings weisen im Durchschnitt mehr Nettogewerbeanmeldungen auf, haben einen höheren Zuwachs beim Gewerbesteueraufkommen und zeigen höhere Zuwachsraten bei den Beschäftigungszahlen. Die Anzahl der Nettogewerbeanmeldungen liegt bei den Top-Ten-Städten durchschnittlich um fast 80 Prozent höher als bei den Städten auf den Plätzen elf bis 25. Im Untersuchungszeitraum von 2009 bis 2013 sind die Gewerbesteuereinnahmen bei den zehn besten Städten um durchschnittlich 30 Prozent gestiegen, gegenüber 21 Prozent in den restlichen Kommunen. Auch die Beschäftigungszahlen stiegen bei den zehn digitalsten Städten stärker an und lagen um ein Drittel höher an als in den übrigen Gemeinden.

Die zunehmende Digitalisierung steht nicht nur in engem Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Kommunen. Auch die Bevölkerungsentwicklung lässt sich mit dem Digitalisierungsgrad verknüpfen: Digitale Städte ziehen mehr Menschen an, und es leben mehr hoch qualifizierte Bürger in ihnen als in Städten, die den Digitalisierungsprozess noch nicht aktiv verfolgen.

Die besten zehn Städte im Digitalisierungsranking haben durchschnittlich 202 Hochqualifizierte pro 1000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Die verbleibenden Städte weisen mit durchschnittlich 147 Hochqualifizierten etwa ein Drittel weniger auf.
„Die Vorzüge der Digitalisierung einer Stadt lassen sich besonders gut am Beispiel der Stadt Wuppertal ablesen, die den Digitalisierungstrend und die sich daraus ergebenden Chancen gut erkannt hat“, so Felix Hasse, PwC-Partner und Experte für Smart Citys. Obwohl die Stadt mit der markanten Schwebebahn zwar als einzige unter den Top Ten schrumpft, treibt sie die Digitalisierung trotz hoher Verschuldung massiv voran und hat via Digitalisierung eine kosten- und ressourceneffiziente Verwaltung geschaffen. So wurde zum Beispiel das Wuppertaler Ratsinformationssystem durch die Aufbereitung der Wuppertaler Community, die hierfür mit anderen Initiativen zusammengearbeitet hat, deutlich transparenter.

Trotz einzelner Mängel sieht PwC-Partner Felix Hasse Deutschlands Großstädte auf einem guten Weg: „Die Basis ist gelegt. Allerdings müssen die Städte noch stärker daran arbeiten, die Anliegen der Bürger in den Mittelpunkt ihrer Digitalisierungsstrategie zu stellen.“ Einfache Services wie die Möglichkeit, Termine mit dem Amt online zu vereinbaren, haben alle untersuchten Städte im Angebot. Auch ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr lässt sich bei allen bequem übers Handy kaufen. Sobald es aber etwas anspruchsvoller wird, tun sich Mängel auf: So verfügen beispielsweise nur zwölf der Städte über einen Kita-Navigator im Netz. Und ein Gewerbe lässt sich online nur in sieben deutschen Großstädten anmelden.

Bildnachweis: Digitaler Lumpensammler/GettyImages, Merten Snijders/GettyImages, Moment RF/GettyImages

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