Interview

"Ein hochkomplexer Prozess"

Was unterscheidet die vergangene von der zukünftigen Energieversorgung?
Die traditionelle Energiewelt war bestimmt durch die Bereitstellung von ausreichend vorhandener Kraftwerkskapazität und einem eindimensionalen Informationsfluss vom Verbraucher zum Erzeuger. Die Stromproduktion musste sich nur der tages- und jahreszeitlichen Nachfrage anpassen. Heute, und zukünftig noch mehr, tritt an diese Stelle ein System mit dezentraler und schwankender Erzeugung aus erneuerbaren Energien. Dieses System muss in der Lage sein, das wechselnde Stromangebot ständig – quasi in Echtzeit – mit der wechselnden Nachfrage möglichst kosteneffizient abzugleichen und auszutarieren. Das ist ein hochkomplexer Prozess.

In Deutschland zwingen gesetzliche Vorgaben wie Atomausstieg und Energiewende zu diesem Richtungswechsel. Ist die Politik auch in anderen Ländern der wichtigste Treiber?
Nein. Nicht grundsätzlich. Diese Entwicklung wird durch drei weltweite Megatrends forciert: Klimawandel, technologischen Fortschritt und demografischen Wandel. In Deutschland und Europa ist Klimaschutz ein wesentlicher Antrieb, in Ländern wie China oder Indien spielen dagegen Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum eine entscheidende Rolle, in den USA ist es eher der technologische Fortschritt.

Welche Unternehmen werden zukünftig die wichtigsten Player in der Energiebranche sein?
Energie ist und bleibt eine strategische nationale Aufgabe mit hohem Regulierungsbedarf. Da werden Energieversorger und Netzbetreiber auch in Zukunft überall eine tragende Rolle spielen. Allerdings kommen neue Akteure hinzu und damit neue Geschäftsfelder: Technologie-, System- und Informationsdienstleister, Automobilindustrie, Finanzinvestoren und nicht zuletzt die IT-Branche, die mit digitalen Pro-dukten insbesondere auf der Verbraucherseite innovative Geschäftsmodelle entwickeln wird.

Bildnachweis: Younicos, Siemens AG, Marc Voluquardsen, E-ON, Robert Grahn/euroluftbild.de/Picture-Alliance, Tony Cordoza/GettyImages, Tim Graham/GettyImages, Steve Nehf/GettyImages, Bloomberg/GettyImages (2), Guillaume Souvant/GettyImages, Divulgaçao/Flickr, Kevin Chen/Geosage, PwC

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