An der langen Leine

Für Bernhard Simon, CEO der Dachser Group, ist die Sache klar. Der Transportlogistiker aus Kempten im Allgäu – mit fast 25 000 Mitarbeitern in 42 Ländern und weltweit 437 Standorten – lässt sich nicht mehr hierarchisch von oben nach unten steuern. Das würde allein durch die schiere Größe kaum funktionieren. Aktuelle Trends in der verladenden Industrie, in der sich zunehmend autonome Systeme durchsetzen, verlangen nach einem zeitgemäßen Führungskonzept. „Damit die Idee von Industrie 4.0 und Logistik 4.0 Realität werden kann, müssen rein hierarchische Prozesse im Management kybernetischen Steuerungsprozessen weichen“, ist Simon überzeugt.

Die europäischen Dachser-Niederlassungen, die zwischen 300 und 500 Mitarbeiter beschäftigen und 50 bis 100 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften, hängen quasi an der langen Leine und verfügen über ein relativ hohes Maß an Selbstständigkeit. „Wir führen sehr dezentral“, sagt Simon. „Die Niederlassungen funktionieren wie eigenständige Firmen, und deren Abteilungen werden ebenfalls unternehmerisch geführt.“

Das bedeutet in der alltäglichen Praxis etwa, dass sich jede Niederlassung ihr eigenes Personal aussucht und ihren Fuhrpark zusammenstellt. Sie soll selbstständig in ihrer Region Kunden akquirieren und darf eigene Preise festsetzen. Damit aber „dezentrale Führung nicht mit Anarchie verwechselt wird, muss es klare Regeln geben, die für jeden Mitarbeiter verbindlich sind“, betont Simon. Zum Beispiel darf nicht jede Niederlassung nach

Gutdünken eine neue Lagerhalle bauen. Investitionsanträge sind in der Zentrale einzureichen und müssen gut begründet sein. Umgekehrt kann die Zentrale Erweiterungsbauten anweisen, wenn dies aus Gründen der Kapazitätsplanung nötig erscheint.

Besonders wichtig ist Simon, dass vor allem diejenigen Regeln eingehalten und überwacht werden, die direkte Auswirkungen für die Kunden haben: „Wenn in unserem Logistiknetz die Anforderung besteht, dass ein Lkw morgens Punkt fünf Uhr auf den Hof fährt, sollte er eben nicht zehn Minuten nach fünf ankommen, weil es sonst beim Entladen und den nachfolgenden Prozessen Probleme geben kann.“

Bildnachweis: Dachser (3), Hermes, DHL, Moment Open/GettyImages, Peter Dazeley/ GettyImages, PR

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