Die Magie der Milliardäre

Was wäre wohl passiert, wenn die früheren Chefs von Steve Jobs und Steve Case rechtzeitig deren Talent erkannt hätten, immense Werte zu schaffen, und sie für ihre Firma ins Geschirr genommen hätten? Und zwar bevor sie ihre Arbeitgeber Atari und PepsiCo verließen, um Apple und AOL zu gründen.

Genau dieser Frage sind die beiden amerikanischen PwC-Partner John Sviokla, Head of Global Thought Leadership bei PwC USA, und Mitch Cohen, Vice Chairman, nachgegangen. In ihrem bislang nur auf Englisch erschienenen Buch „The self-made billionaire effect“ enthüllen sie die Geheimnisse der zunehmenden Zahl von Selfmade-Milliardären – und geben CEOs Hinweise, wie sie unter den Mitarbeitern in der eigenen Firma diejenigen entdecken und halten können, die möglicherweise die nächste Milliardenumsatz-Idee schon im Arbeitskoffer mit sich herumtragen.

Zurzeit gibt es rund 800 Selfmade-Milliardäre weltweit, ihre Zahl hat sich seit 1987 verdreifacht. Sie repräsentieren ein Vermögen von fünf Billionen US-Dollar, das entspricht sieben Prozent des weltweiten Sozialprodukts. Nach der mentalen Einstellung und Arbeitshaltung von mehr als 120 dieser Milliardäre, darunter der Mehrfachgründer Mark Cuban (Broadcast.com, Dallas Mavericks), Sara Blakely (Spanx) und Howard Schultz (Starbucks), unterscheiden Sviokla und Cohen zwei Managertypen: „Performer“ und „Producer“.

„Während die Mehrheit der Unternehmen gern die Performer hegt und pflegt, die elegant das Publikum mit der perfekten Umsetzung ihrer Aufgaben verzücken, suchen und kultivieren nur die wenigsten Firmen die Producer – nämlich diejenigen, die das Potenzial für massive Wertschöpfung mitbringen und die Spielregeln neu definieren“, so John Sviokla.

„Viele Milliardäre haben ihr Geschäft über Jahre und oft Jahrzehnte zum Wachsen gebracht.“

Mitch Cohen, PwC Vice Chairman

Vor allem in einem Punkt unterscheiden sich die Milliardäre aus eigener Kraft von durchschnittlichen Führungskräften und Firmenchefs: in der Art, wie sie die Welt betrachten. Ihre unübliche Perspektive erlaubt es ihnen, gute Ideen in großartige Geschäfte umzumünzen. Der Selfmade-Milliardär-Effekt beruht auf fünf Schlüsseleinstellungen und mentalen Eigenschaften, die diese Wertsteigerer auszeichnen:

  • empathische Vorstellungskraft für die Bedürfnisse der Kunden, verbunden mit dem Verlangen, neue, noch nie getestete Ideen zu erkunden.
  • einfallsreiche Veränderung einer Kundengewohnheit, die andere für gefestigt halten und die gerade deswegen neue Werte schafft.
  • neue Risikobetrachtung: Die Besorgnis, eine Chance zu verpassen, die die Zukunft verändern könnte, ist bei den Producern größer als die Angst, eine Idee zu verfolgen, die scheitern könnte.
  • Eile mit Weile – Bewusstsein für die Größe einer Gelegenheit, aber auch die nötige Geduld zu warten, bis die Chance zu deren voller Entfaltung am größten ist.
  • Partnerschaften mit Performern: die Fähigkeit und das Grundvertrauen, mit anderen zusammenzuarbeiten, die komplementäre Fähigkeiten besitzen.

Die Producer schaffen den Erfolg nie allein, so die Autoren. Erst die enge Zusammenarbeit mit den Performern bringt das neue Produkt oder eine neue Dienstleistung zur vollen Entfaltung. Unternehmen sollten daher einmal identifizierte Producer unbedingt mit den passenden Performern in Teams einbinden.
Mehr als 80 Prozent der analysierten Producer haben ihren Erfolg in hoch kompetitiven Industrien verwirklicht. Für Unternehmen ist das eine klare Botschaft, so Sviokla: „Chancen bieten sich auf jedem Markt, wenn sie nur mit der richtigen Einstellung angegangen werden. Es ist daher Sache des Managements, Producer-Talente so zu unterstützen, dass sie in die optimale Position kommen, um Werte zu liefern.“

<p>„Enthüllt: Die Erfolgs­geheimnisse der Selfmade-Umsatz­milliardäre.“</p>

„Enthüllt: Die Erfolgs­geheimnisse der Selfmade-Umsatz­milliardäre.“

Entgegen der landläufigen Annahme, äußerst erfolgreiche Unternehmer müssten daherkommen wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg oder Amazon-Erfinder Jeff Bezos und Werte durch ihr tiefes Verständnis für hochinnovative, schnelle Technologien wie Social Media und Internettechnologien schaffen, erweist sich die große Mehrheit der Selfmade-Milliardäre als sogenannter „serial entrepreneur“ – als Unternehmer, der erst richtig wohlhabend wird, nachdem er sein zweites, drittes oder viertes Business gestartet hat. „Viele waren bei der Firmengründung schon weit über 30 und 40 Jahre alt und haben ihr Geschäft über Jahre und oft Jahrzehnte zum Wachsen gebracht, um schließlich Milliardenwerte zu schaffen“, so Mitch Cohen.

„Die ‚Producer‘ bringen das Potenzial für massive Wertsteigerung mit.“

John Sviokla, Head of Global Thought Leadership PwC USA

Wirklich bedenklich ist, dass mehr als 25 Prozent der Selfmade-Milliardäre früher in ihrer Karriere von ihren etablierten Arbeitgebern gefeuert wurden, so die Autoren. Viele weitere gaben ihr früheres Angestelltenverhältnis auf – typischerweise aus Frustration, weil das Unternehmen sich zu langsam entwickelte, den eigenen Ideen entgegenstand oder die Betreffenden sich einfach nur langweilten.

„Die Erfahrung dieser Gründer-Talente wirft ein Schlaglicht auf eine bedauerliche Realität: Unternehmen sind auf Leistung getrimmt“, analysiert Mitch Cohen. „Sie sind nicht danach ausgerichtet zu produzieren. Wenn Unternehmen auf diesem Gebiet bessere Fähigkeiten hätten, müssten sie sich weniger Sorgen machen, dass sie von außerhalb mit disruptiven Geschäftsmodellen angegriffen werden. Denn sie wären bereits darauf ausgerichtet, ihr Geschäft von innen aufzubrechen und zu innovieren.“

Das hätten dann möglicherweise die heutigen Milliardäre für sie übernommen, etwa bei Blendax der spätere Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz oder bei Salomon Brothers Michael Bloomberg, Gründer des gleichnamigen Medienimperiums.

Bildnachweis: Mark Peterson/Laif, PR (3)

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