Interview

„Einen super Job machen“

Sie sind seit Juli 2013 das erste und einzige Vorstandsmitglied bei PwC. Fühlen Sie sich einsam?
Überhaupt nicht. Zumal es gut sein kann, dass ich bald eine weibliche Vorstandskollegin bekomme. Aber ich bin ja nicht als Quoten-Frau in den Vorstand gekommen, sondern wegen meiner Kompetenz und weil ich einen super Job machen will. Gleichzeitig fühle ich mich als Teil der Gesamtstrategie von PwC, die sich gemischte Teams als Ziel vorgegeben hat; dazu zählt nicht nur die Berufung von Frauen.

Dennoch gibt es von Topmanagerinnen anderer Unternehmen die These, es brauche eine kritische Masse von 30 Prozent Frauenanteil in den Unternehmen, damit wirklich etwas weitergeht. Teilen Sie diese Ansicht?
Ich möchte mich nicht festlegen, aber eine kritische Masse hilft ganz bestimmt, um den Kulturwandel im Unternehmen sichtbar zu machen. Wir brauchen Role-­Models auf allen Ebenen, an denen sich die Nachwuchskräfte orientieren können. Damit signalisiert das Topmanagement, dass wir eine Strategie nicht nur aufgeschrieben haben, sondern sie auch leben.

Stimmt es, dass Frauen, die es bis ganz nach oben geschafft haben, andere Frauen gar nicht unbedingt fördern, sondern meinen, die sollten ruhig genauso hart kämpfen?
Das glaube ich nicht. Ich denke, dass die Frauen, die heute in Führungspositionen stehen, zwar knallhart im Job sind, aber positiv eingestellt gegenüber Nachwuchskräften, ganz gleich ob männlich oder weiblich. Vielleicht sind sie sich heute der Unterschiede zwischen den Geschlechtern und der unbewussten Vorurteile gegenüber bestimmten Gruppen eher bewusst als früher.

Worin liegen die Unterschiede im Führungsverhalten von Männern und Frauen?
Frauen kommunizieren oft beziehungsreicher, bevorzugen manchmal einen partizipativen Führungsstil, gehen teils anders mit Macht um, haben nicht selten ungewöhnliche Karrierewege gewählt. Sie haben es manchmal schwerer, authentisch zu sein und ihre verschiedenen Seiten unter einen Hut zu bekommen. Denn die erwarteten Verhaltensweisen von Führungskräften decken sich eher mit den erwarteten Verhaltensweisen von Männern. Bei Frauen kollidiert das manchmal, weshalb wir sie auf dem Karriereweg besonders unterstützen und begleiten sollten.

Wie sieht diese Unterstützung bei PwC aus?
Wir haben ein Mentoring-Programm, mit dem wir sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Außerdem unterhalten wir ein Frauen-Netzwerk, das verschiedene Veranstaltungen und Workshops zu Karrierethemen anbietet; es wird sehr gut angenommen und auch von Männern mit neugierigem Interesse begleitet. Daher übernehmen Partner und Partnerinnen bei PwC aus einem anderen Geschäftsbereich die Begleitung der Karriere von talentierten weiblichen Nachwuchskräften durch fachlichen und persönlichen Erfahrungsaustausch – und das über Jahre hinweg.

Bildnachweis: Henkel, Tomas Muscionico, Zumtobel, Julian Abram Wainwright, deniz genç/Istockfoto, PR, PwC (3)

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