Mit dem Strom fließen

Der Blick nach Europa zeigt: In vielen Ländern sind die Anteile von Frauen in Führungspositionen deutlich höher als in Deutschland. So stieg der Anteil von Frauen in Boards in Norwegen laut der International Labour Organization seit Einführung der Quote von fünf auf 41 Prozent. Auffallend hoch ist auch der Frauenanteil in den Chefetagen der osteuropäischen Länder. In Serbien etwa liegt er unter den CEOs der größten börsennotierten Unternehmen bei 17 Prozent – gegenüber null Prozent in Deutschland. Der Anteil weiblicher Topmanager ist in Ländern wie Weißrussland (32,8 Prozent), Georgien (32,1) und Polen (31,1) im weltweiten Vergleich besonders hoch.

Dabei geht sogar ohne gesetzliche Quote: Die junge Demokratie Lettland gelte mit 31,3 Prozent als Vorbild beim Anteil weiblicher Führungskräfte, sagt Ginta Petra, die Leiterin der deutsch-lettischen Außenhandelskammer: „Die Frauen hier sind zwar ehrgeizig, aber auch flexibel. Sie fließen mit dem Strom nach oben. Sie konzentrieren sich mehr darauf, die aktuelle Aufgabe gut zu machen, als darauf, eine bestimmte Karrierestufe zu erreichen“, so Petra. „Bei den Männern ist das anders. Wenn sie einen bestimmten Job nicht kriegen, dann passen sie eben. Das ist auch eine Chance für die Frauen.“

In Lettland nehmen zudem mehr junge Frauen als Männer während des Studiums häufig und gern an Auslandsprogrammen teil, was ihnen einen Vorsprung hinsichtlich Internationalität und Fremdsprachenkenntnis verschafft. Die Präsidentin der lettischen AHK, Ingrida Kirse, ist so eine typische Führungsfrau: 33 Jahre alt, zwei Kinder, Mitglied im Gesamtvorstand der Ergo Insurance Group in den baltischen Staaten und Geschäftsführerin von Ergo in Lettland.

Ähnlich hoch ist der Frauenanteil auch in asiatischen Ländern wie Indonesien (31,2 Prozent), Myanmar (29,5) und Vietnam (26,4). Auf den Philippinen, wo die frühere Präsidentin Corazon Aquino das Millionenheer der im Ausland tätigen philippinischen Frauen einst als „Heldinnen“ bezeichnete, liegt der Frauenanteil sogar bei 32,7 Prozent.

Eine der erfolgreichsten Chefinnen dort ist Firmenerbin Teresita Sy-Coson, die mit ihrer SM Investment Corporation in den Bereichen Handel, Shoppingmalls, Hotels und Banken – darunter BDO, eine der größten Banken des Landes – elf Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet. Ihre Rolle als Managerin beschreibt die 64-Jährige eigenwillig: „Ich führe nicht – ich bin das Herz.“

Bildnachweis: Henkel, Tomas Muscionico, Zumtobel, Julian Abram Wainwright, deniz genç/Istockfoto, PR, PwC (3)

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