Keine Ressourcen verschwenden

Working for a man every night and day!“ Voller Inbrunst schmettern die gut 130 Mitarbeiterinnen von René Mägli in die Mikrofone. Sie arbeiten für das Schweizer Büro der internationalen Reederei MSC in Basel, also in einer Art Callcenter für den Transport von Seefracht in alle Welt. Vor allem arbeiten sie unter einem Chef, der Frauenpower zum Geschäftsmodell erklärt hat.

Mägli hatte den Damen zwei Aufnahmetage in einem Tonstudio zu Weihnachten geschenkt. Das Präsent war wohl auch ein bisschen für ihn selbst, denn die Songs und ein Film über den Take stehen seiner Internetseite ganz gut zu Gesicht. Die hat nur ein Thema: Warum Frauen die besseren Mitarbeiter sind.

Tatsächlich: Der zurückhaltende Mann mit dem schütteren Haar beschäftigt in seinem Laden nur Frauen – und hat das inzwischen auch fast die ganze Welt wissen lassen. Kaum ein Wirtschaftsblatt, das in den vergangenen Jahren nicht das erstaunliche Beispiel des René Mägli beschrieben hätte. Dabei inszeniert er sich weniger als väterlicher Gutmensch – er argumentiert strikt betriebswirtschaftlich.

Danach arbeiten Frauen einfach besser, gemeinschaftlicher, lösungsorientierter, trauen sich, Fragen zu stellen, verlieren keine Zeit mit Machtkämpfen, bringen demnach für das Unternehmen bessere Ergebnisse, gerade in Dienstleistungsunternehmen wie dem seinen. Sobald ein Mann dazwischenkommt wird es schwierig, deshalb verzichtet Mägli inzwischen ganz auf diese schwierigen Wesen, die, so hört man heraus, doch oft eher ihre Ängste und Eitelkeiten pflegen.

„Jeder Chef, der keine Frau einstellt, verschwendet Ressourcen“, sagt Mägli. Babypausen, Jobsharing, Teilzeit, flexible Arbeitszeiten – alles eine Frage der guten Organisation, meint er und ermutigt seine „Ladies“, auch nach der Familiengründung und jedem weiteren Kind an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Schließlich hat er in sie investiert und zählt auf sie.

„Nothing can stop the power of a woman“, schmettern die überwiegend jungen Damen in die Mikros, bewegen sich im Takt und lächeln dabei stolz. Von Gruppendynamik und Motivation scheint René Mägli etwas zu verstehen – und von Public Relations.

Bildnachweis: Henkel, Tomas Muscionico, Zumtobel, Julian Abram Wainwright, deniz genç/Istockfoto, PR, PwC (3)

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