Interview

Früh international rotieren

Welche Unternehmenskultur zieht Karrierefrauen an und kann sie binden?
Ich glaube nicht, dass es eine Kultur gibt, die speziell Frauen anzieht. Wir machen die Erfahrung, dass junge Talente – ob männlich oder weiblich – ein abwechslungsreiches, internationales Arbeitsumfeld schätzen, in dem sie sich weiterentwickeln und eigene Ideen einbringen können. In der Karriereplanung achten wir allerdings darauf, dass wir talentierte Frauen schon früh in ihrer Karriere im Rahmen einer internationalen Job-Rotation ins Ausland schicken. Das hat sich bewährt.

Welche Themen vernachlässigen Frauen manchmal in einer Konzernkarriere?
Ich erlebe in meinem Arbeitsumfeld sehr viele Frauen, die mit Ambition und klaren Zielen ihre Karriere in die Hand nehmen. Es ist aus meiner Sicht ganz wichtig, seine Karriere aktiv zu gestalten. Niemand kann erwarten, dass der Chef erahnt, was man erreichen will. Hier können Frauen noch selbstbewusster werden. Es ist wichtig, Herausforderungen auch anzunehmen und nicht zu unsicher und zögerlich zu sein. Dazu gehören Mut, Offenheit, Flexibilität und auch die Bereitschaft zu Mobilität. In einem globalen Konzern ist außerdem ein gutes Netzwerk wichtig – hier sind männliche Kollegen oft noch aktiver.

Welche Vorurteile machen Frauen am meisten zu schaffen, und wie geht Henkel dagegen an?
Ich wünsche mir gerade in Deutschland eine Veränderung des manchmal noch recht traditionellen Rollenbildes. Oder haben Sie einem Mann schon einmal die Frage gestellt, ob er lieber Kinder haben oder sich voll dem Beruf widmen möchte? Unabhängig von der Geschlechterfrage sensibilisieren wir bei Henkel für den „unconscious bias“, also unbewusste Vorannahmen. Wir schulen insbesondere unsere Führungskräfte durch gezielte Trainings. In den jährlichen Beurteilungen achten wir darauf, dass Mitarbeiter nicht etwa allein von den jeweiligen Vorgesetzten bewertet werden, sondern von einer gemischten Gruppe von Managern.

Sind die Erfolgsaussichten für Frauen größer, wenn sie innerhalb eines Unternehmens aufsteigen, als wenn sie von außen kommen?
Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Bei Henkel besetzen wir allerdings 90 Prozent der Führungspositionen intern. Das zeigt den Mitarbeitern, dass es einen Weg nach oben gibt und es nicht notwendig ist, das Unternehmen zu verlassen, um auf dem Karriereweg weiterzukommen.

Sehen Sie sich als Vorbild? Was braucht es dazu, bis in den Vorstand aufzusteigen?
Ich glaube schon, dass Frauen in Top-Führungspositionen in der Wirtschaft eine wichtige Signalwirkung haben. Gerade im Personalbereich gibt es sehr viele weibliche Führungskräfte, für die mein Karriereweg vielleicht ein Ansporn ist, sich von vermeintlichen Grenzen nicht einschränken zu lassen. Ansonsten braucht es für Frauen wie Männer in so einer Aufgabe neben den fachlichen Qualifikationen Leistungsbereitschaft, Führungsfähigkeit und Leidenschaft für die Aufgabe.

Hat Ihre Biografie Anteil am Verlauf Ihrer Karriere?
Der Wechsel von der Arbeit als Lehrerin in die freie Wirtschaft, in einen für mich völlig neuen Bereich, hat mich durchaus geprägt. Ich habe damals diese neue Herausforderung angenommen. Das ging nur durch den Mut zur Veränderung, durch die sich für mich ganz neue Möglichkeiten eröffnet haben. Diese Offenheit und Bereitschaft zum lebenslangen Lernen versuche ich mir bis heute zu bewahren.

Bildnachweis: Henkel, Tomas Muscionico, Zumtobel, Julian Abram Wainwright, deniz genç/Istockfoto, PR, PwC (3)

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