Gestalten statt verwalten

An den Zukunftsperspektiven lag es nicht“, erklärt Karin Sonnenmoser ihren Schritt vom Konzern in den Mittelstand. „Ich wollte einfach weg vom Administrieren, hin zum Transformieren.“ Die 45 Jahre alte Deutsche ist seit Mai 2014 Finanzvorstand beim Lichttechnik-Hersteller Zumtobel in Dornbirn, Österreich. Zuvor hat die Betriebswirtin mit MBA 19 Jahre lang bei Volkswagen Karriere gemacht – vom Trainee bis zur Top-Führungskraft. „Es war ein zügiger Weg durch die Hierarchien“, sagt sie ohne falsche Bescheidenheit.

Die Finanzen waren ihr Thema auf verschiedenen Stationen im Autokonzern. Nach fünf Jahren als rechte Hand des damaligen Vorstandschefs Bernd Pischetsrieder stieg sie zur Chefin der Tochter AutoVision auf und wurde anschließend Finanzchefin der VW-Gesellschaften in Sachsen. Dass sie eine Frau ist, habe ihr bei diesem Aufstieg nicht geschadet, sagt Sonnenmoser, eher im Gegenteil. Die Leitung einer Vertriebsgesellschaft im Ausland wäre ihr nächster Schritt gewesen.

Doch die Managerin erlag dem Ruf eines Headhunters, der für Zumtobel-Chef Ulrich Schumacher einen Finanzvorstand suchte. „Das ist eine Industrie, die in einem riesigen Technologiewandel steckt und ganz andere Handlungsspielräume eröffnet“, sagt Sonnenmoser. Dass sie hier einen strikten Restrukturierungsprozess vorantreiben muss, scheint sie nicht zu stören; es sei ja kein Umbau „mit dem Rücken zur Wand“.

Die Frage, ob sie „einen Preis gezahlt“ habe für den Wechsel in den Mittelstand, verneint Sonnenmoser energisch. Sie habe befürchtet, ihr altes Netzwerk zu verlieren, stattdessen habe sie einfach ein neues hinzugewonnen. Bei VW, mit 44 Jahren knapp unter dem Vorstand, hätte sie wohl noch eine Menge Geduld haben müssen, um weiter aufzusteigen, lässt sie durchblicken.

Auch die Kultur habe eine Rolle gespielt, allerdings nicht der klassische Gegensatz zwischen Konzern und Mittelstand, sondern zwischen zentraler und dezentraler Organisation. Denn Sonnenmoser wollte nah ans Geschäft, in ein spannendes Umfeld, sehnte sich nach einem breiten Spektrum an Aufgaben, die sie aktiv gestalten konnte: „In einem weniger zentral gesteuerten Unternehmen als VW wäre meine Entscheidung vielleicht anders ausgefallen“, sagt die Managerin.

Sie hält ihre Wahl nicht unbedingt für „frauenspezifisch“. Auch Männer schätzten es, auf strategischer Ebene größere Gestaltungsspielräume zu haben. „Es hängt davon ab, wie ambitioniert man ist“, sagt Sonnenmoser keck. Sich einrichten in der Konzernhierarchie, das sei wohl nichts für sie.

So viel weiblicher als die Automobilindustrie ist das Lichtgeschäft nicht, hat die Finanzexpertin inzwischen festgestellt. Überhaupt scheint der Unterschied zwischen den beiden Arbeitgebern gar nicht so groß zu sein. Auch VW ist mit den Clans Piëch/Porsche im Grunde ein Familienunternehmen, Zumtobel ebenfalls börsennotiert.

Vom Familiengesellschafter und Aufsichtsratschef Jürg Zumtobel wurde sie warm empfangen. In der Pressemitteilung zu ihrer Berufung lobte er nicht nur ihre Erfahrung und Qualifikation, sondern auch ihre „offene und natürliche Persönlichkeit“. Ob ein Mann auch mit solchen Worten ins Amt eingeführt worden wäre?

Sonnenmoser hat kein Problem mit der „derzeit noch männerdominierten Arbeitswelt“. Zu üben, wie man sich als Frau darin geschickt bewegt, mit der richtigen Körpersprache und unbewussten Kommunikation, das findet sie wichtig, und sie schätzt den Rat von Mentoren. Ansonsten kommt sie wohl ohne Sonderbehandlung klar. „Es ist schon ein gewisser sportlicher Ehrgeiz nötig“, sagt die Managerin, „aber man kann seine Rolle als Frau auch einnehmen, ohne vorher die Männer zu verändern.“

Bildnachweis: Henkel, Tomas Muscionico, Zumtobel, Julian Abram Wainwright, deniz genç/Istockfoto, PR, PwC (3)

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