Vom It-Girl zur Ich-AG

Nun gut, zu Beginn ihrer erstaunlichen Karriere hat Paris Hilton ihre Herkunft als steinreiche Hotelerbin tatsächlich den Weg in viele gelbe Blätter geebnet. Bei zahlreichen öffentlichen Auftritten avancierte die langhaarige Blondine durch ihr freizügiges Auftreten zum beliebten Motiv von Pressefotografen. Im Jahr 2000 hatte Hilton sogar die Highschool abgebrochen, um eine Karriere als Fotomodell zu starten. Schon kurz darauf folgten erste Aufträge, für eine Anzeigenkampagne und Fotoserien für die US-Zeitschriften „GQ“ und „FHM“ sowie gemeinsam mit ihrer Schwester ein Porträt für das „People Magazin“. Schnell hatte sie erkannt, wie sie den internationalen Medienzirkus für ihre eigenen Zwecke einspannen könnte. Ihre Gleichung „Je höher die Popularität, desto besser das Einkommen“ geht bis heute prächtig auf.

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Hilton ist eine der erfolgreichsten Unternehmerinnen und das vermutlich meistunterschätzte Talent in der Disziplin Selbstvermarktung. In der Firma Paris Hilton Entertainment, Inc. bündelt sie ihre Immobilien-Interessen, zu denen Anwesen wie ein ehemaliges Bordell im Londoner East End, ihre Villa in Beverly Hills, aber auch ihr 50-Prozent-Anteil am Londoner Nobel-Club „The Collection“ gehören. Dazu kommen weltweite Modelabels und Lizenzverträge für ihre eigenen Marken wie „Heiress“ und „That’s hot!“ – ihren Lieblingsspruch – auf Uhren, Kosmetika und Brillen. Sämtliche Geschäfte steuert sie als Präsidentin der Paris Hilton Entertainment, Inc. (PHEI) in Beverly Hills, Kalifornien. PHEI ist auch Vertragspartner für Film- und TV-Produktionen. Hilton hat in mehr als 30 Filmen und TV-Serien mitgespielt. In ihren Büchern fordert sie dazu auf, ihr nachzueifern: „Sei selbstbewusst, glaub an dich – und zieh’ dich scharf an. Denke nicht zu viel nach, träume nicht herum, werde aktiv. Zeig’, was du drauf hast, und du bekommst, was du willst.“

Paris Hilton bekommt immer, was sie will. Zufällig tritt sie nirgendwo in Erscheinung. Hinter jedem Auftritt in der Rolle des It-Girls steckt unternehmerisches Kalkül. Als It-Girl wird – eher abschätzig – eine junge Frau bezeichnet, die durch stetige Medienpräsenz auffällt. Mit „It“, dem „gewissen Etwas“, sind Sexappeal, Ausstrahlung und Auftreten gemeint. Und genau dieses „gewisse Etwas“ hat Paris Hilton stets gepflegt. 2004 veröffentlichte sie ihr provokantes Buch mit dem Titel „Confessions of an Heiress“. Ihre „Bekenntnisse einer Erbin“ standen wochenlang in den Top Ten der Bestsellerliste der „New York Times“. Im selben Jahr erhielt sie auch ihre erste Auszeichnung – zur „Dümmsten Frau des Jahres“, gewählt von den World Stupidity Awards.

Für Hilton ein Volltreffer. Denn das befeuerte die Marke des gern abgelichteten It-Girls so sehr, dass sie selbst der Wiener Unternehmer Richard „Mörtel“ Lugner – gegen geschätzte 100.000 Dollar – als Begleitung mit zum Wiener Opernball nahm. So ist das immer. „In der Öffentlichkeit verstecke ich mich gern hinter der Rolle des naiven Dummchens, weil ich sehr schüchtern bin“, erzählte die heute 34-Jährige später, „aber im wirklichen Leben bin ich eine smarte Geschäftsfrau.“ Sie ist sogar weit mehr als das: Paris Hilton ist der Prototyp der Ich-AG.

Wo die Blondine mit der gespielt piepsigen Kleinmädchen-stimme auftaucht, wird es teuer – ob in Großbritannien, Deutschland, Südkorea, Dubai, Kanada oder in den USA. So auch 2006. Da ließ der Tiroler Hotelier Günther Aloys Paris Hilton für eine Million Dollar einfliegen. Dafür sollte sie seinen Dosen-Prosecco „Rich“ promoten, der Menge zuwinken und erzählen, dass sie Österreich liebe. „Und warum lieben Sie Österreich?“, wurde sie gefragt. „Weil die mir eine Million dafür zahlen, dass ich ihnen zuwinke“, antwortete sie unverblümt. Damit war das Thema erledigt. Für Paris Hilton zumindest. Die Tiroler durften noch ihre Million überweisen, 150.000 Euro Steuern bezahlen und zehn Prozent an der Münchener Rich AG an Hilton überschreiben. Für die Blondine kein Problem: „Ich ermutige die Leute gern in ihrem Glauben, dass ich doof bin – und lache dann auf dem Weg zur Bank über sie.“

Der amerikanische Marken-Guru Alex Bogusky sagte schon vor einigen Jahren über die Selfmade-Frau: „Die Leute wären schockiert, wenn sie wüssten, wie intelligent Paris ist und wie kühl sie jeden ihrer Schritte kalkuliert.“ So auch im vergangenen Sommer. Da festigte die Blondine ihren guten Ruf als DJane und legte in einigen der angesagtesten Clubs der Welt auf. Ihre „Foam & Diamonds“-Party auf Ibiza war so ein großer Erfolg, dass der Besitzer des Clubs „Amnesia“ sie bat, ihren Gastauftritt zu verlängern. Schön für das Bankkonto der Unternehmerin: Paris Hilton verlangt angeblich zwischen 77.000 und 270.000 Euro fürs Auflegen – pro Stunde, versteht sich. Paris, Party, Profit.

Auch wenn das Vermögen des Hilton-Clans rund drei Milliarden US-Dollar betragen soll – die Urenkelin des Hotelgründers Conrad Hilton will darauf nicht zurückgreifen müssen, sondern lieber weiter auf eigenen Füßen stehen: „Ich habe so viele Projekte – Taschen, Parfüms, Make-ups. Ich fliege alle drei Tage rund um die Welt und kümmere mich um meine Geschäfte. Ich drehe Filme, mache TV-Shows, trete öffentlich auf. Jeder Tag meines Lebens ist verplant – auf Jahre im Voraus.“

Bildnachweis: Bertrand Rindoff Petroff/GettyImages, Robert Fairer/laif, Martin Lengemann/laif, Andrew Crowley/Picture Press, Venturelli/GettyImages, Christopher Polk/GettyImages

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