Von der Hauskatze zur Löwin

Sie gilt als eine der mächtigsten Frauen der deutschen Wirtschaft. Doch ihr erster Gedanke nach dem Aufstehen am Morgen gilt noch immer ihren Katzen. „30 Jahre lang war ich selbst eine Hauskatze“, sagt Catherine von Fürstenberg-Dussmann von sich. Bis 2008 – damals erlitt ihr Ehemann Peter Dussmann einen Schlaganfall. Und als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, stieg sie nach 30 Jahren als Haus- und Ehefrau von heute auf morgen in die Führung des riesigen Unternehmens ein. Mit Standorten in 20 Ländern ist die Dussmann Group nicht nur ein international expandierender Global Player, sondern auch einer der weltweit größten privaten Multidienstleister mit 1,8 Milliarden Euro Umsatz und 61.000 Mitarbeitern, die Büros und Züge putzen, Kantinen beliefern, Gebäude bewachen, Senioren und Kinder betreuen. „Ich hatte das nicht machen müssen. Ich hätte das auch verkaufen können. Aber heute bin ich eine wachsame Löwin, die das Lebenswerk meines Mannes bewacht“, erzählte sie der FAZ nach dem Tod ihres Mannes. 2013 war Peter Dussmann kurz vor seinem 75. Geburtstag gestorben.

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Zu Beginn ihrer Laufbahn arbeitete die Firmen-Chefin zunächst selbst fünf Wochen als Reinigungskraft und in einer Kantine. Auch heute noch besucht Catherine von Fürstenberg-Dussmann einmal im Monat Kunden im Catering-Bereich. „Ich bin immer neugierig. Ich denke, die verstehen mich jetzt besser, und ich sehe auch, was man noch besser machen kann – für die Mitarbeiter und die Kunden.“

Ihr Dasein als Unternehmerin ist bereits ihr drittes Leben. Es führte sie aus den USA an die Spree. Im Januar 1951 im Bundesstaat Missouri geboren, wächst sie als Adelsspross in einer Großfamilie mit sieben Kindern auf einer 800 Hektar großen Farm auf. Ihr Vater, ein vermögender Anwalt, ist ein strenger Herr. Selbst im heißen Sommer trägt er zum Dinner Anzug und Fliege, die Mädchen haben im Kleid zu erscheinen und sprechen ihren Daddy mit „Sir“ an. „Beim Essen hat er uns immer aus Klassikern vorgelesen“, sagt sie. Kein Wunder, dass sie später Literaturwissenschaft studierte.

Die ersten 29 Jahre verbrachte sie in den USA – nach dem Studium vor allem als Schauspielerin in Rollen, in denen sie meist den Clown spielen musste. In Los Angeles begegnete sie ihrem späteren Ehemann und lebte dann 30 Jahre lang als Ehe- und Hausfrau.

Der Anfang als Konzernchefin war ein Sprung ins kalte Wasser. Denn mit den Geschäften ihres Mannes hatte die heute 64-Jährige bis dahin höchstens am Rande zu tun. „Die größte Herausforderung für mich war, die Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass ich die Firma nicht an die Wand fahre. Die wussten ja, dass ich nicht Business studiert habe, sondern Literatur. Aber ich war sicher, ich kann den Job.“

Schon zu Lebzeiten ihres Mannes setzte sich das blonde „Girlie-Girl“, wie sie sich selbst gern nennt, mit ihrer Idee der Kulturkindergärten durch. Das sind moderne Kitas mit ambitionierter Pädagogik und ungewöhnlich langen Öffnungszeiten, die sie in Unternehmen eröffnete. Ihr Ehemann hatte ihr davon abgeraten, weil kaum Geld damit zu verdienen sei. Sie entwickelte die Kindergärten trotzdem, auch aus strategischen Gründen. „Ich habe meinem Mann erklärt, dass es um die Mütter geht. Und um die Unternehmen, die die Mütter brauchen“, sagt sie.

Kurz nachdem sie den Vorsitz des Stiftungsrates übernommen hat, der das Unternehmen führt, trifft sie harte Entscheidungen: Der Stiftungsrat hatte die Ablösung des von ihrem Mann eingesetzten Vorstandsvorsitzenden Thomas Greiner sowie der Finanzchefin Christiane Jaap beschlossen. Ihre Kritiker ließ sie souverän abblitzen: „Wenn ein Mann durchgreift, gilt er als konsequent. Bei einer Frau heißt es schnell: Die ist zu emotional und nicht tragbar.“ Überhaupt sieht sie das bis heute als den schwierigsten Teil ihres Jobs an, „diese Männerwelt zu knacken. Ich habe schnell gemerkt: Männer müssen sich noch daran gewöhnen, dass sie mit uns Frauen sprechen und uns ernst nehmen.“

Bildnachweis: Bertrand Rindoff Petroff/GettyImages, Robert Fairer/laif, Martin Lengemann/laif, Andrew Crowley/Picture Press, Venturelli/GettyImages, Christopher Polk/GettyImages

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