Madame Netzwerk und das Gespür für Trends

Wenn es eine Grande Dame der Frauennetzwerke gibt, dann ist es mit Sicherheit Aude de Thuin. Aber die Französin ist nicht nur das, sondern noch viel mehr: Sie steht für Unternehmertum, französisches Flair, schnellen Wandel, Innovation und Geschlechtergleichheit. 2005 hatte sich die Unternehmerin vergebens für die Teilnahme am Weltwirtschaftsforum in Davos beworben. Zuerst hatten die Organisatoren ihre Anfrage zur Teilnahme einfach ignoriert, worüber sie sich schon richtig aufregte. Als sie dann noch feststellte, dass unter den Teilnehmern des Forums nur fünf Prozent Frauen waren, reichte es ihr endgültig. Und sie beschloss: Ein Davos für Frauen musste her. Weil sie keine Bank fand, die bereit war, ihr Vorhaben zu finanzieren, verkaufte de Thuin, die sich selbst als „dickköpfige Bretonin“ bezeichnet, ihr Unternehmen an ihren Ehemann und gründete kurzerhand ihre eigene Veranstaltung. Noch im September desselben Jahres lud sie Frauen in Führungspositionen zu einem Netzwerktreffen in das Seebad Deauville. Das „Women’s Forum for the Economy and Society“ hat sich zur Aufgabe gemacht, eine weibliche Sicht der wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit zu fördern.

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Mit der Organisation von Kongressen in Europa, Asien und den USA zum Thema Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft erarbeitete sich Aude de Thuin einen weltweiten Ruf als Gender-Expertin. Öffentlich setzt sie sich immer wieder dafür ein, dass Frauen auch in den Chefetagen großer Wirtschaftsunternehmen ihren Platz finden. „Ich wünschte mir, die Unternehmen würden sich selbst darüber bewusst werden, dass mehr Frauen in der Unternehmensführung ihrem eigenen wirtschaftlichen Interesse dienen“, betont sie gern.

Ohne Abschluss von einer Elite-Universität und mit einer Mittelklasse-Kindheit in der Bretagne statt der Unterstützung durch eine einflussreiche Pariser Familie im Rücken war Aude de Thuin nicht gerade prädestiniert für eine erfolgreiche Karriere als mehrfache Unternehmensgründerin. Doch sie glaubt an die Machbarkeit innovativer Geschäftsmodelle und zeigt ein untrügliches Gespür, Trends zu erkennen. Dabei hat Aude de Thuin nach eigenen Angaben nie für ein Gehalt gearbeitet. Ohne jede Start-up-Finanzierung gründete sie im Glauben an die eigene Idee 1981 die Fachmesse „Semaine du marketing direct“, die wenige Jahre später als „International Direct Marketing Week“ in Europa Nummer eins und weltweit die Nummer zwei in der Branche wurde.

1993 setzte Aude de Thuin auf das wachsende Interesse der Franzosen an Grün und Gärtnern und gründete „L’Art du Jardin“, eine elegante Gartenausstellung, die sie später wieder verkaufte. Danach gründete sie die nächste Messe, den Salon „Créations et Savoir-faire“ – und schwamm durch den Boom im Bereich der kreativen Freizeitbeschäftigung erneut mit einem Trend auf der Erfolgswelle. Nachdem sie das Frauenforum im Jahr 2011 an die Werbeagentur Publicis verkauft hatte, schrieb sie in ihrem Buch „Frauen, wenn ihr euch traut“: „Seit ich im Kontakt mit Tausenden Frauen aus aller Welt war, bin ich tief davon überzeugt, dass Frauen der Schlüsselfaktor für den Aufbau einer Welt mit mehr Moral und Respekt sind.“

Bildnachweis: Bertrand Rindoff Petroff/GettyImages, Robert Fairer/laif, Martin Lengemann/laif, Andrew Crowley/Picture Press, Venturelli/GettyImages, Christopher Polk/GettyImages

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