Editorial

Als erste Rednerin vor einem demokratisch gewählten deutschen Parlament sprach Marie Juchacz am 19. Februar 1919 die Abgeordneten bewusst mit diesen Worten an – schließlich waren unter den 421 Delegierten der Weimarer Nationalversammlung nur 37 Frauen. Angesichts einer überwiegend männlichen Leserschaft von next: passt diese Begrüßung auch fast 100 Jahre später sehr gut an den Beginn dieses Editorials, zumal für eine Schwerpunktausgabe zum Thema „Frauen und Karriere“.

Petra Justenhoven

Das ist Ihnen für ein Wirtschaftsmagazin des Jahres 2015 zu weit hergeholt? Gut, gehen wir ins Jahr 1981. „Do you weep when things go wrong on the job?“ Die Astrophysikerin Sally Ride hatte sich in der Helden-Fabrik der Nasa nach zahllosen Trainings und Tests gegen Tausende Männer durchgesetzt und war bereit, als erste US-Amerikanerin ins Weltall zu fliegen. Und dann kam diese Frage auf der Pressekonferenz kurz vor dem Start ihrer Mission. Ride war Astronautin, ihr Nervenkostüm gestählt, die Antwort entsprechend: „How come nobody ever asks Rick (Hauck, Captain der Mission) those questions?“

Sie meinen, diese Anekdote sei noch immer zu alt? Dann nehme ich Sie mit in den September 2014 zu Jelena Serowa, der vierten Kosmonautin der russischen Raumfahrt-Geschichte. Kurz vor ihrem Flug zur Raumstation ISS stellte sie sich wie ihre männlichen Crew-Mitglieder der Presse. Die Fragen an sie drehten sich vor allem darum, wie sie im Weltraum ihre Haarwäsche bewältigen würde. Serowas Antwort: „Kann ich Ihnen auch eine Frage stellen? Warum interessieren Sie sich nicht für die Frisuren meiner Kollegen?“

Viel hat sich also nicht geändert. Auch nicht in Deutschland. Zwar wurde Katharine Graham schon 1972 in den Vereinigten Staaten als erste Frau CEO eines Fortune-500-Unternehmens, der „Washington Post“ – aber in Deutschland hat es bis heute keine Frau an der Spitze eines börsennotierten Unternehmens gegeben. Geschrieben wurde schon sehr viel darüber – zu verbessern gibt es noch immer einiges. Und zu thematisieren.

Wir tun dies mit einer Schwerpunktausgabe, in der wir neue, interessante und konstruktive Einblicke geben wollen – für Leser und Leserinnen gleichermaßen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre!

Herzlichst,

Petra Justenhoven

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