Algorithmen statt Annoncen

LinkedIn, Xing, Stepstone und Monster sind der Beweis: Karriereplanung und Jobsuche laufen heutzutage übers Internet. Das belegen auch die Studien des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW). Danach stellen immer mehr mittelständische Unternehmen ihre Jobangebote online, verschlagworten sie nach SEO-Kriterien und locken potenziell interessierte Bewerber durch QR-Code-Verlinkung auf ihre Websites. Manche hoffen sogar auf die virale Kraft von Social-Media-Kampagnen via Facebook, YouTube oder WhatsApp. Dass aber nicht alle Aktivitäten von Erfolg gekrönt sind, beweist das in den sozialen Netzwerken grandios verlachte Rap-Video, mit dem die nordrhein-westfälische Polizei Nachwuchs rekrutieren wollte.

Wie Unternehmen es professioneller machen können, zeigt dagegen die pfiffige „E-Recruiting“-Lösung der 22Connect AG mit der Online-Plattform Talents Connect. Mithilfe eines selbst entwickelten Algorithmus will „Talents Connect“ Unternehmen und Arbeitsuchende besonders passgenau zusammenbringen. Nicht mehr schwerfällig formulierte Zeitungsannoncen sollen den Rekrutierungsprozess bestimmen, sondern blitzschnell sortierende Algorithmen.

„Wir sind keine Jobbörse im herkömmlichen Sinne“, sagt Robin Sudermann, der CEO des Kölner Start-ups mit mittlerweile 30 Mitarbeitern, „sondern verstehen uns als Bewerber-Empfehlungsplattform.“ Die Plattform funktioniert eher wie eine Partnersuche à la Parship oder eDarling. Bei der Anmeldung muss der Bewerber eine Reihe von Fragen nach seinen fachlichen Qualifikationen, aber auch zu seiner Persönlichkeit beantworten. Die „hard skills“ und „soft skills“ des Kandidaten vergleicht der „Matching-Algorithmus“ mit den von Unternehmen hinterlegten Jobangeboten und berechnet daraus in Echtzeit einen sogenannten „Talent Score“. Dessen Prozentzahl zeigt an, welcher Job am besten zu welchem Bewerber passt. Vice versa funktioniert das auch: Wird eine Stellenanzeige eingestellt, identifiziert „Talents Connect“ die Top-Kandidaten und macht sie auf das Angebot aufmerksam.

Seit Mitte 2013 ist „Talents Connect“ online. Zahlen zu Umsatz und Gewinn will das Unternehmen nicht nennen. Doch Nachfrage ist offenbar vorhanden: 30.000 potenzielle Bewerber, vor allem Young Professionals, haben sich nach Angaben von „Talents Connect“ bereits registriert. Der Energiekonzern E.ON lässt das gesamte Azubi-Recruiting seiner regionalen Tochtergesellschaften über die Plattform laufen, und auch der Bauriese Bilfinger AG stellt dort Stellen ein.

„Für Human Resources und Personalmarketing liegt E-Recruiting eindeutig im Trend“, glaubt auch BVDW-Vizepräsident Harald R. Fortmann: „Das Internet wird zum bevorzugten Rekrutierungskanal.“ Gleichwohl müsse man den Boom differenziert betrachten. Denn den größten Zuwachs von bis zu 26 Prozent erwarten die Digitalexperten bei der Rekrutierung von Auszubildenden und Fachkräften. Für Positionen im Top-Management hingegen dürfte die onlinebasierte Kandidatensuche auch künftig eine nur untergeordnete Rolle spielen.

Bildnachweis: Glowimages/Gettyimages

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