Innovation mit Reißleine

Die Energiewende zeigt: In jeder Krise steckt eine Chance. Seitdem die Bundesregierung im Mai 2011 den Ausstieg aus der Atomenergie beschloss, steigt in Deutschland der Bedarf an innovativer Energietechnik. Darauf baut auch der Technologiekonzern ABB. Jährlich rund 1,2 Milliarden Euro steckt das Unternehmen für Energie- und Automatisierungstechnik weltweit in seine Forschung und Entwicklung.

Diese Investition in Innovation trägt Früchte: So hat ABB den weltweit ersten Leistungsschalter für die „Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung“ im Portfolio. „Mit dieser Innovation haben wir ein neues Kapitel in der Geschichte der Elektrotechnik aufgeschlagen“, freut sich Claes Rytoft, der „Chief Technology Officer“ (CTO) des Konzerns. Erstmals können nun einzelne Abschnitte eines Hochspannungsnetzes abgeschaltet werden. Bislang musste, etwa bei Kurzschlüssen oder für Reparaturarbeiten, die gesamte Trasse abgestellt werden, was für den Netzbetreiber zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen führte. Entsprechend gut entwickelt sich die Nachfrage nach dem Schalter.

„Wir müssen immer wieder an uns selbst zweifeln und unsere Aktivitäten hinterfragen.“

Peter Terwiesch, ABB

„Innovation ist keine Einzelkämpferdisziplin“, betont Peter Terwiesch, designierter Leiter der Division Prozessautomation von ABB und zuvor langjähriger CTO des Gesamtkonzerns. Um den Prozess der Innovationsfindung und ihre Umsetzung unternehmensübergreifend anstoßen und steuern zu können, verfolgt der Konzern ein mehrstufiges „Gate Model“. Vom initialen „Gate 0“ bis zum finalen „Gate 7“ wird darin festgelegt, wie bei ABB eine Innovation vorangetrieben wird: von der ersten Ideen-Analyse über die Planung und Umsetzung bis hin zur Markteinführung und einem Review der Resultate.

Sämtliche Bereiche des Unternehmens sind in das „ABB Gate Model“ eingebunden: ob Produktmanagement und „Marketing und Vertrieb“ oder „Forschung und Entwicklung“ und Produktion (samt Service und Support). Jedes der acht „Tore“ stellt einen erfolgskritischen Meilenstein für den gesamten Innovationsprozess dar, weil es das bis dahin Erreichte einem rigorosen Assessment unterzieht: Zeichnet sich ab, dass die anfangs vereinbarten Ziele mutmaßlich verfehlt werden – etwa weil die Produktionskosten die ursprüngliche Kalkulation deutlich übersteigen oder die Absatzchancen doch niedriger als erwartet liegen würden –, kann jederzeit die Reißleine gezogen und das Projekt gestoppt werden. „Wir brauchen Ergebnis und Geschäftsorientierung“, begründet Peter Terwiesch diese Radikalität: „Deshalb müssen wir immer wieder selber an uns zweifeln und unsere Aktivitäten hinterfragen.“

Bildnachweis: Gettyimages/Bloomberg

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