Innovation durch Motivation

Das Spezialchemie-Unternehmen Evonik-Industries AG hat 26.000 Patente angemeldet. Im Durchschnitt kommt an jedem Arbeitstag ein neues hinzu. Ob zu Futtermitteln oder Hochleistungs-Kunststoffen – der Chemieriese forscht und entwickelt an mehr als 500 F&E-Projekten parallel. „Wir wollen eines der innovativsten Unternehmen der Welt sein“, sagt Peter Nagler, Chief Innovation Officer bei Evonik.

Auf diesem Weg sieht er noch Luft nach oben – obwohl das Unternehmen bereits rund zehn Prozent der 13 Milliarden Euro Jahresumsatz mit Produkten erzielt, die jünger als fünf Jahre sind. „Innovationen müssen künftig einen noch deutlicheren Beitrag zu Umsatz und Gewinn leisten“, fordert Nagler. Um diesen Plan in die Tat umzusetzen, baut Evonik mit seiner „Initiative Leading Innovation“ auf einen Mix aus Motivation und Systematik.

„Wer führend in Innovationen sein will, muss Innovationen auch führen“, fasst Nagler die Strategie zusammen. Jeder einzelne Mitarbeiter, so verlangt das Unternehmen, solle „Innovation zu seiner Sache“ machen. „Unsere Innovationskultur gibt uns Freiraum und Mut, höhere Entwicklungsrisiken einzugehen und auch radikal Neues auszuprobieren“, betont Nagler. Konkret heißt das: Jeder, der eine neue Idee hat, soll sie seinen Kollegen und Chefs vorstellen. Erscheint sie vielversprechend, kann ein zusätzliches Zeit- und Geldbudget für die Weiterentwicklung beantragt werden.

„Wer führend in Innovationen sein will, muss Innovationen auch führen.“

Peter Nagler, Evonik

Dass es nicht jede Idee bis zur Marktreife schafft, ist einkalkuliert: „Wir gehen mit Fehlschlägen konstruktiv um und haben die Kraft, F&E-Projekte zu beenden, wenn die Erfolgsaussichten fehlen“, erklärt Nagler. Niemand bei Evonik müsse Nachteile fürchten oder verbaue sich seine Karriere, wenn sich eine innovative Idee als nicht umsetzbar herausstelle. Daneben leistet sich der Chemiekonzern – für jährlich rund 60 Millionen Euro – einen firmeneigenen „Ideen-Inkubator“: Das Team von „Creavis“ leitet aus den Megatrends der Zukunft mögliche Wachstumsfelder für den Konzern ab. Allein in den vergangenen drei Jahren landeten 20 neue Innovationsprojekte in den Geschäftsbereichen. So wurde von Creavis die Entwicklung eines neuen Verfahrens zur Herstellung spezieller Metalloxid-Dünnschichttransistoren für Flüssigkristallbildschirme oder auch die Herstellung von Membranmodulen zur Biogasreinigung initiiert.

Gegenüber seinen Kunden und der Wissenschaft baut Evonik auf die Kreativität von Kooperationen: Mit einem „Evonik Call for Research Proposals“ lädt der Konzern regelmäßig Universitäten zu gemeinsamen Forschungsprojekten ein. Und um seine Kunden in den Innovationsprozess einzubinden, wurden eigens zwei Labore eingerichtet, in denen Externe neue Ideen testen können. Innovationschef Peter Nagler umschreibt diesen „collaborative innovation“-Ansatz so: „Wir innovieren mit dem Kunden für den Kunden.“

Bildnachweis: Gettyimages/Bloomberg

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