Innovation dank Rückhalt

Wer das Autofahren revolutionieren will, muss klotzen statt kleckern. Das hat BMW bei seinen beiden Elektroautos i3 und i8 auch getan. Rund sieben Jahre Forschung und Entwicklung investierte das Unternehmen in sein „project i“. Mehr als zwei Milliarden Euro soll es bis heute gekostet haben. Das Ergebnis: ein Quantensprung in Sachen E-Mobilität.

„Project i war von der Innovationsleistung her etwas Besonderes“, sagt Julian Weber, Mitglied des Projekt-Führungsteams und Leiter Innovationsprojekte E-Mobilität bei BMW: „Wir haben das Gesamtkonstrukt Fahrzeug infrage gestellt, auch in den Vertriebs-, den Einkaufs-, den Entwicklungs- und den Fertigungsprozessen.“

Seinen Anfang nahm das innovative Marathonprojekt im Jahr 2007. Damals förderte eine Studie zutage: Die Menschen wollen auch in Zukunft Auto fahren – aber möglichst emissionsfrei und ohne Motorenlärm. Der bayerische Autokonzern, der in seinem Claim die „Freude am Fahren“ propagiert und seine öffentliche Reputation bis dahin vor allem aus der Dynamik PS-starker Sechszylindermotoren zog, stand vor einem Dilemma. Doch BMW-Chef Norbert Reithofer nahm die Herausforderung an: „Wir revolutionieren den Automobilbau und geben der Mobilität von morgen ein Gesicht.“

Dass der Vorstand von Anfang an hinter dem „project i“ gestanden habe, sei „überlebensnotwendig“ gewesen, sagt Weber in der Rückschau. Gerade in einem Konzern wie BMW brauche ein solch radikales Innovationsprojekt den unbedingten „Rückhalt durch die Chefs“. In der Ideenfindungs- und Strategiephase tüftelte zunächst nur ein knappes Dutzend Spezialisten aus allen BMW-Bereichen an dem neuen Auto der Zukunft. Organisatorisch war dieser „Think Tank“, wie Weber es formuliert, „aus dem Mutterschiff ausgegliedert“. Diese Trennung sei „enorm wichtig“ gewesen, denn nur so konnte man ohne Einfluss von außen an der Idee arbeiten, ein reines Elektrofahrzeug zu konstruieren. „Wir sind den radikalen Weg gegangen, und das hat sich als vielversprechend herausgestellt“, resümiert Weber.

„Wir sind den radikalen Weg gegangen. Das hat sich als vielversprechend herausgestellt.“

Julian Weber, BMW

Nachdem der BMW-Vorstand die ersten i3-Prototypen getestet und freigegeben hatte, wurde das „project i“ in die etablierten Prozesse der Serienproduktion bei BMW re-integriert. Für Julian Weber und sein Team war das ein großer Moment: „Innovation ist immer eine Bewertung von Chancen und Risiken. Der Startschuss zur Serienreife markiert einen ‚point of no return‘. Von da an wird das richtig große Geld ausgegeben.“

Und wie reagieren die Kunden auf den Stromer? Im Juni 2014 waren beim Kraftfahrt-Bundesamt knapp 1.200 BMW i3 gemeldet. Das sind rund drei Mal so viele wie vom E-Sportwagen Tesla. Der Markt, so scheint es, hat die automobile „Sprung-Innovation“ aus Bayern angenommen.

Bildnachweis: Gettyimages/Bloomberg

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