„Das Glas ist halb voll“

Der Optimismus kehrt zurück in die Führungsetagen: 44% und damit doppelt so viele Vertreter der weltweiten Management-Elite wie vor einem Jahr rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit einer Belebung der Weltwirtschaft. Die weltweit größte Zuversicht zeigen die Manager in Westeuropa, von denen jeder Zweite fest mit einer Belebung der Weltkonjunktur rechnet. Deutschlands Firmenlenker stehen allerdings mit 40% nur knapp vor der Schweiz (37%) am Ende der europäischen Optimismus-Rangliste. Am wenigsten zuversichtlich äußern sich die Manager aus Zentral- und Osteuropa (26%). Dies geht aus dem „17. Global CEO Survey“ von PwC hervor, für den 1344 Vorstandschefs aus 68 Ländern befragt wurden. Norbert Winkeljohann, Vorstandssprecher PwC Deutschland, zu den Ergebnissen: „Die Zuversicht unter den Topmanagern beginnt wieder zu wachsen. Sie haben ihre Unternehmen erfolgreich durch die Krise geführt und wechseln nun aus dem Überlebens-Modus in Wachstums-Programme. Dennoch ist das Glas erst halb voll. Die Manager erkennen, dass sie sich auf neue Herausforderungen einstellen müssen.“

Die zentralen Ergebnisse im Überblick: Die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse der Welt verschieben sich erneut. In einigen klassischen Wachstumsmärkten wie Brasilien sinken die Zuwachsraten deutlich. Große Sorgen bereitet den CEOs die Politik, und die Botschaften der Manager an die Regierungen ist unmissverständlich: Überregulierung, Staatsdefizite und die Angst vor Steuer­erhöhungen sind die meistgenannten Bedrohungen für die Wirtschaft. Und: Neue Technologien, demographischer Wandel und die weltweite Umverteilung der Wirtschaftskraft werden innerhalb der nächsten fünf Jahre zum großen Härtetest für die Unternehmen.“

Unterschiede zeigen sich auch beim Blick auf die verschiedenen Branchen: 46% der Manager aus der Tourismus- und Freizeit-Branche sind sehr zuversichtlich, wenn es um die Entwicklung der Weltkonjunktur in diesem Jahr geht, dicht gefolgt von der Banken- und Kapitalmarktbranche (45%). Mit 44% gleichauf folgen Handel, Finanzdienstleistungen, Asset-Management und Kommunikation. Von den Vertretern des Ingenieur- und Bauwesens sind 41% sehr zuversichtlich. In der metall­verarbeitenden Industrie sind nur 19% der Firmenlenker optimistisch.

Etwas optimistischer als im Vorjahr sind die Topmanager, wenn es um das Umsatzwachstum des eigenen Unter­nehmens in den kommenden zwölf Monaten geht: Weltweit sind 39% (+3 zum Vorjahr) zuversichtlich. Von den deutschen Managern äußert sich jeder Dritte (33%) sehr zuversichtlich, den Umsatz steigern zu können. Damit übertreffen sie den Europa-Durchschnitt, der um 8 Prozentpunkte auf 30% wächst, leicht. Die größte Zuversicht herrscht unter den CEOs in der Region Mittlerer Osten. Hier steigt der Wert auf 69% (+16 zum Vorjahr). Asien-Pazifik folgt mit 45% (+9 zum Vorjahr). Klar nach unten geht die Tendenz in Afrika: Nur noch 40% sind sehr zuversichtlich. Vorausgegangen waren Werte von 44% (2013) und 57% im Jahr 2012. Um zehn Prozentpunkte auf 43% verringert hat sich der Zuversichts-Index der lateinamerikanischen CEOs. Nordamerikas Firmenlenker verharren auf 33%.

Deutliche Unterschiede zeigen sich auf Länderebene: 53% der russischen Manager sind für 2014 sehr zuversichtlich, Umsatzwachstum erzielen zu können, und führen damit die Rangliste an. Auf den weiteren Plätzen folgen Mexiko (51%) und Korea, wo die Zuversicht von 6% im Vorjahr auf 50% in diesem Jahr anstieg. Schlusslicht ist Argentinien mit 10%.

Während das Vertrauen in die Weltwirtschaft langsam zurückkehrt, gibt es aber auch Themen, die den CEOs weltweit große Sorgen bereiten. Politische Entscheidungen oder deren Ausbleiben führen die Sorgenliste mit historischen Spitzenwerten klar an. 72% der Manager weltweit fürchten sich vor Überregulierung. Besorgnis darüber herrscht in Frankreich (88%), Australien (85%), Indien (82%) und Deutschland (76%). 71% der CEOs weltweit (56% in Deutschland) fürchten sich vor den Folgen der defizitären Staatshaushalte – so viele wie noch nie. Top-Thema für US-Manager ist das nationale Staatsdefizit, das 92% als erhebliche Bedrohung für die Wirtschaft ansehen, gefolgt von Argentinien (90%) und Frankreich (84%). Die Furcht vor steigender Steuerbelastung (weltweit: 70% / Deutschland: 51%), der Mangel an Nachwuchskräften (63%), Währungsschwankungen (60%) und das Misstrauen in die Stabilität der Kapitalmärkte (59%) vervollständigen das Ranking. Cyber-Attacken, die nicht einmal jeder zweite Manager nannte, ängstigen die Wirtschaftsführer hingegen vergleichsweise wenig. „In Überregulierung, den weiterhin bestehenden Staatsdefiziten und steigender Steuerbelastung sehen die Wirtschaftsführer weltweit die größte Gefahr für weiteres Wachstum. Dies ist ein klares Signal an die Politik“, so Norbert Winkeljohann.

Die größten Hoffnungsträger für das Wachstum des eigenen Unternehmens liegen in neuen Produkten und Dienstleistungen: Jeder dritte Manager (35%) nennt Innovationen als Schlüssel für weiteres Wachstum, von den deutschen Managern sogar jeder zweite (47%). Wachstumsmöglichkeiten sehen die CEOs außerdem in den Märkten, in denen sie bereits aktiv und erfolgreich sind (weltweit: 33%, Deutschland: 30%). Die größte regionale Bedeutung für die Wachstumspläne in 2014 haben weiterhin China und die Vereinigten Staaten. Deutschland erreicht erstmals Rang 3 und verdrängt Brasilien vom Siegerpodest. „Deutschland hat im Ranking der attraktivsten Absatzmärkte weltweit Brasilien verdrängt und zu China und den Vereinigten Staaten aufgeschlossen. Dies spiegelt die hohe Wertschätzung Deutschlands in den Chefetagen der größten Unternehmen der Welt wider“, so Norbert Winkeljohann. Einen Sprung von Rang 8 auf Rang 5 verbucht Großbritannien und lässt damit Indien und Russland hinter sich. Zu den Aufsteigern für die Wachstumsaussichten der kommenden drei bis fünf Jahre zählen Indonesien, Mexiko, die Türkei, Thailand und Vietnam.

Die leicht verbesserte Stimmung unter den CEOs soll sich 2014 auch auf die Einstellungspolitik der Unternehmen auswirken. 50% der Manager weltweit wollen in den kommenden zwölf Monaten die Zahl ihrer Mitarbeiter erhöhen, in Deutschland sogar 58%. Im Mittel soll sich die Belegschaft um knapp über 5% erhöhen. Knapp ein Viertel der deutschen Manager (24%) planen hingegen, die Belegschaft eher zu reduzieren. Gründe hierfür sind weitere Kostensenkungsprogramme, die 82% der deutschen CEOs für 2014 planen. 40% werden Teilbereiche auslagern.

Den größten Einstellungsbedarf weltweit haben Unternehmen der Technologie-Branche (63%), im Bereich Dienstleistungen (62%) und im Asset-Management (58%). Norbert Winkeljohann: „Das Nachwuchskräfte­problem sehen die meisten CEOs noch immer als ungelöst an. Neun von zehn Managern haben noch keine Strategie, wie sie die richtigen Mitarbeiter finden oder wichtige Mitarbeiter an sich binden können.

Unternehmen beschäftigen sich eigenen Angaben zufolge derzeit intensiv mit neuen Talent-Strategien. Eine wichtige Rolle spiele dabei auch der demographische Wandel, der weltweit unterschiedliche Facetten hat: So liegt das Durch­schnittsalter eines Beschäftigten in Europa bei 43 Jahren, in China bei 38 Jahren und in Afrika bei 20 Jahren.

„Das internationale Unternehmenssteuer-System bedarf aus Sicht der CEOs dringend einer Überarbeitung. Fast zwei Drittel der Manager weltweit sind der Meinung, dass die veralteten Steuergesetze die modernen Konzernstrukturen in einer globalisierten Wirtschaft nicht ausreichend abbilden“, so Norbert Winkeljohann. Deutsche Entscheider stehen dabei weltweit an der Spitze: Hier sehen 82% akuten Reformbedarf in Sachen internationaler Steuergesetze. Pointiert ist dabei auch die Einschätzung, ob die G8, G20 und OECD in den kommenden zwei Jahren eine substanzielle Reform des internationalen Steuersystems erreichen könnten: 76% der deutschen Manager glauben nicht daran, weltweit 40%. Ein Beitrag der Unternehmen könnte darin bestehen, multinationale Konzerne zur Offenlegung ihrer Umsätze, Ergebnisse und Steuerquoten in allen Ländern zu bringen. Dies befürworten 62% der deutschen CEOs.

Beim Blick auf die Wertschöpfung eines Unternehmens gewinnt die gesellschaftliche Anerkennung an Bedeutung. Weltweit sagen 76% der CEOs, dass sie sich nicht nur gegenüber Investoren, Kunden und Mitarbeitern verpflichtet fühlen, sondern auch den Belangen der Allgemeinheit. Dem stimmen 71% der deutschen Manager zu.

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