Danach ist zu spät

Wer einen Fuß in den indischen Markt bekommen will, muss ein Joint Venture gründen. Wer chinesische Behörden zu besänftigen hat, akzeptiert die einheimische Firma als Zulieferer. Wer global überzeugen will, baut die Repräsentanz in Brasilien zu einer Handelsgesellschaft aus. Nicht lange fackeln, los geht’s!

Unternehmen konzentrieren ihre Kraft darauf, ihren Willen umzusetzen. Was aufhalten könnte, wird auf später verschoben. Das kann sich rächen. Etwa wenn der indische Partner das Know-how abzapft, der chinesische Zulieferer reichlich Ausschuss liefert und die neuen Aufgaben der brasilianischen Repräsentanz nirgendwo rechtlich festgeschrieben sind. Wenn also rechtliche und steuerliche Fragen erst aufgeworfen werden, nachdem die grundsätzlichen operativen Entschlüsse bereits getroffen worden sind. Dann können Wirtschaftsprüfer und Steuerberater nur noch an einzelnen Stellschrauben drehen, um das Ergebnis zu optimieren. Die Weichen aber sind gestellt. Diesen Fehler vermeidet das von PwC entwickelte Konzept der Value Chain Transformation (VCT). Projekte werden nicht in drei Schritten angegangen – erst das operative Konzept, dann der rechtliche Rahmen, zum Schluss die steuerlichen Implikationen –, sondern die verschiedenen Bereiche werden von Beginn an ganzheitlich und gleichberechtigt betrachtet.

Bei strategischen oder strukturellen Herausforderungen liefert PwC den Unternehmen nicht nur von Anfang an das operative Consulting, sondern betreut gleichzeitig die rechtlichen und steuerlichen Aspekte des Change-Prozesses. PwC-Experte Volker Booten sagt: „Wir schauen von vornherein aus allen Blickwinkeln auf den Fall.“ Und nicht erst dann, wenn die Neuausrichtung bereits beendet ist.

Wie das praktisch umgesetzt wird, erläutert Booten, VCT- und Tax-Market-Leader in Deutschland, am Beispiel eines Konzerns, der eine neue Asien-Tochter integrieren möchte. Durch die Value Chain Transformation werden alle Liefer- und Leistungsbeziehungen steuerlich optimal gestaltet. Die VCT-Experten konzipieren das grenzüberschreitende Verrechnungspreissystem und haben die zollrechtlichen Probleme lange gelöst, ehe die ersten Güter auf dem Weg Richtung Grenze sind. In solchen Fällen einer Post-Merger-Integration ist das VCT-Konzept ebenso sinnvoll wie in Krisen, wenn Unternehmen schnellstens umgebaut werden müssen, um den sinkenden Aktienkurs abzufedern oder die Wertschöpfungskette insgesamt zu optimieren.

Der ganzheitliche VCT-Ansatz braucht entsprechend Manpower. Soll etwa ein ganzer Konzern umstrukturiert oder gar neu ausgerichtet werden, setzt sich das interdisziplinäre Team aus bis zu 50 Beratern zusammen. Sie bieten das gesamte Portfolio von der Entwicklung der Change-Strategie bis zur technischen, organisatorischen und steuerrechtlichen Umsetzung an. PwC greift dabei auf ein weltweites Netzwerk an Experten zurück. „Andere verkaufen die Idee. Der Unterschied: We make it happen“, sagt Yves Hervé, VCT-Partner bei PwC. „Dieses Leistungspaket bieten unsere Wettbewerber nicht.“

Am häufigsten wird die Value Chain Transformation eingesetzt, wenn ein Unternehmen in neue Märkte vordringt, einzelne Funktionen ins Ausland verlagert oder mit ausländischen Töchtern verschmolzen werden. Während deutsche Unternehmen noch vor zehn Jahren überwiegend innerhalb Europas expandierten, liegt der Schwerpunkt heute in Asien. Das bringt erhebliche Risiken und Fallstricke mit sich – rechtlicher und auch steuerlicher Natur. Plötzlich stellen sich Fragen nach der steuerlichen Behandlung einer grenzüberschreitenden Organschaft, der Gestaltung der Verrechnungspreise oder der Verlustverrechnung – Fragen, die unausweichlich sind, in vielen Prozessen jedoch hintangestellt werden. Dann muss nachverhandelt und nachgebessert werden. Das dauert und kostet Geld und Nerven. „Bei manchen deutschen Unternehmen besteht die Gefahr, dass sie die Globalisierung nicht richtig managen“, sagt Hervé. Die Folgen: ineffiziente Strukturen, Überkapazitäten in der Produktion, ein mangelhaftes Supply Chain Management oder eine steuerlich ungünstige Rechtsform.

„Die Steuerbehörden in den Schwellenländern zählen zu den aggressivsten der Welt“, heißt es in einer aktuellen PwC-Studie. „Wer da nicht aufpasst, kann erhebliche Wettbewerbsnachteile erleiden.“ In einigen aufstrebenden Staaten wie Brasilien, Indien oder Russland scheint es die Legislative geradezu darauf anzulegen, möglichst vertrackte Vorschriften zu erlassen – die überdies ständig geändert werden. „Die russischen Steuerbehörden waren schon immer gut darin, möglichst hohe Summen einzusammeln“, heißt es in der Studie, „und das machen sie mit zunehmender ,sophistication‘.“

Seit drei Jahren bietet PwC den VCT-Ansatz in Deutschland an – nach erfolgreichen Pilotprojekten in den Niederlanden, China und Großbritannien. Kunden sind klassischerweise international agierende Milliardenkonzerne. Der Schwerpunkt liegt zurzeit auf der produzierenden Industrie, vor allem im Maschinenbau und der Automobilindustrie. In der Fertigungsindustrie hat PwC das bislang wohl größte Projekt innerhalb Europas realisiert: Bei einem europaweit tätigen Konzern, der eine klare Vorgabe für seine Gewinnmarge gegeben hatte, wurde das gesamte operative Geschäft an einem Standort in den Niederlanden zentriert.

Bildnachweis: iStockphoto

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