Interview

„Wir sollten an einem Strang ziehen”

Viele Menschen sorgen sich, dass ihre zukünftige Arbeit von intelligenten Maschinen übernommen und ihre Arbeitskraft dadurch ersetzt wird. Was sagen Sie diesen Menschen? 
Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Wie früher Webstühle oder Automobile die Welt verändert haben, so tun dies nun Computer und Roboter. Durch den technischen Fortschritt werden vor allem repetitive Routinearbeiten ersetzt, auch in sogenannten „White Collar“-Branchen wie der unseren. Maschinen werden mehr und mehr das Know-how liefern. Das Know-why, also das Stellen der richtigen, auf die Lebenswirklichkeit bezogenen Fragen, wird bis auf Weiteres Domäne des Menschen bleiben. Ebenso wie die Interpretation von Daten und die richtige Kontextualisierung. Hieraus ergeben sich hervorragende Möglichkeiten, unser Dienstleistungsspektrum zu erweitern. Von einer eher rückwärtigen Betrachtung ins Planerische. Ebenso werden wir Produkte wie Software etwa im Commodity-Bereich entwickeln, um von der Manufaktur stärker in die Massenfertigung zu kommen. Das hat zur Folge, dass die Arbeit für uns spannender, vielfältiger, aber auch herausfordernder wird. Um in diesen Zeiten des rasanten Wandels nicht abgehängt zu werden, bedarf es der Bereitschaft zur kontinuierlichen Weiterbildung und der Freude am Neuen, an der Veränderung.

Wie wirkt sich der veränderte Arbeitsmarkt auf die Organisation in Unternehmen aus? 
Der Veränderungsdruck auf Unternehmen ist hoch. Die beschleunigte digitale Welt erfordert „agile“ und variable Prozesse und Abläufe, flache Hierarchien und mehr Verantwortung des Einzelnen. Und es wird stärker auf Vielfalt ankommen: Experten aus unterschiedlichen Generationen, Kulturen, Studiengängen und Geschlechtern arbeiten zusammen mit Maschinen und können dadurch den komplexer werdenden Herausforderungen besser begegnen. Durch den zunehmenden Einsatz von Technologie entstehen neue Karrierepfade, und andere Kompetenzen sind gefragt. Dabei brauchen die Mitarbeiter Unterstützung. Dem Reskilling oder Upskilling wird große Bedeutung zukommen. Nicht nur im Sinne einer „Umschulung“ im Hinblick auf technologiegestützte Arbeit, sondern auch im Kontext der wachsenden Bedeutung einer nachhaltigen, werteorientierten Entwicklung.

Welche fachlichen Kompetenzen werden denn aus heutiger Sicht in Zukunft gefragt sein? 
Natürlich wird es auf digitale Kompetenzen ankommen. Aber technisches Spezialistenwissen alleine wird nicht ausreichen. Das veraltet viel zu schnell oder wird gar ersetzt. Programmierfähigkeiten werden sich immer schneller überholen und schlussendlich ganz von Maschinen übernommen werden. Immer wichtiger wird hingegen die Fähigkeit zur Kreativität, Kontextualisierung, zum “Mindmapping”. Es gilt, die Datenherrschaft zu haben, aus einer Vielzahl von Informationen die relevanten herauszuarbeiten und in Relation zu den jeweiligen realen oder virtuellen Lebenssachverhalten zu setzen. Daraus lassen sich dann Schlüsse ziehen, die sich innovativ und wertsteigernd auf andere Bereiche auswirken. Diese Fähigkeiten brauchen wir, wenn wir neue Prozesse, Wertschöpfungsketten und die Veränderungen von Geschäftsmodellen erkennen und gestalten wollen. Auch wenn es in einer immer stärker spezialisierten Welt vielleicht paradox klingen mag, ich setze auf eine breit angelegte Bildung, um die geschilderten Herausforderungen zu meistern. Eine derartige Bildung zu vermitteln ist eine große gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe. Diese kann nur durch Bündelung aller gesellschaftlichen Kräfte gemeinsam bewältigt werden. Wir sollten dabei tunlichst an einem Strang ziehen - aber nicht von unterschiedlichen Seiten.

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