Inspiration“ galt lange Zeit als Buzzword in der seriösen Geschäftswelt und war deshalb verpönt. Das waren die Zeiten, als man noch der Meinung war, der göttliche Funke, der überspringt, würde exklusiv Kulturschaffende, Wissenschaftsgenies und Künstler befeuern. Doch auch in der heutigen gesellschaftlichen Kultur, die zunehmend besessen davon ist, Talent und Können zu messen, wird die wirkliche Rolle der Inspiration noch immer leicht übersehen. Natürlich kann man auch ohne Inspiration durchs Unternehmen kommen. Um neun Uhr rein, hinter der Bürotür verschwinden – und bis zur Rente warten. Aber überall dort, wo Beamtenmentalität – Stichwort „aussitzen“ – und Mittelmaß nicht mehr ausreichen, erweckt Inspiration neue Möglichkeiten und das Überschreiten gewöhnlicher Erfahrungen und Grenzen.

Um Zukunftsprobleme meistern zu können, lohnt es sich, zu lernen, wie Inspiration funktioniert. Denn sie ist der Antrieb für gesellschaftliche Veränderung, Erfindungen und Entdeckungen, Revolutionen und Erfolge. Der Motor für Kunst, Musik, neue Technologien – eben alles, was Menschen antreibt. Und sie ist eben kein außergewöhnliches Phänomen.

Die Wissenschaftler Todd M. Thrash und Andrew J. Elliot von der Universität Rochester untersuchten bereits 2003 Inspiration als pschychologisches Konstrukt. Dabei entwickelten sie eine „Inspirations-Skala“, die eine Ressource misst, die von Psychologen bis dato unterschätzt wurde. Laut den beiden Psychologieprofessoren ist jeder wesentlich öfter inspiriert, als bisher angenommen. Kernaussage ihrer Forschungsergebnisse: „Inspiration ist eine angeborene Fähigkeit, von der jeder profitieren kann: Inspirierte Menschen können im Alltäglichen das Besondere erkennen, sind selbstbewusst, optimistisch und neugierig. Sie tun das, was sie tun, voller Leidenschaft! Und sie gehen ganz andere Wege als die vorgezeichneten.“ Damit widerlegen sie das Vorurteil, Inspiration sei nur magische „Eingebung“ – oder der „göttliche Funke“, der nur auf wenige überspringt. Thrash und Elliot entwickelten ihre „Inspirations-Skala“ ursprünglich, um Inspiration unter Testbedingungen im Labor festzuhalten und zu untersuchen, wie sie in Relation zu anderen psychologischen Konstrukten steht. Dabei misst die Skala die Häufigkeit, mit der eine Person Inspiration in ihrem Alltag erlebt. Mit einem Blick auf die Skala kann jeder Mensch in wenigen Minuten einschätzen, wie oft er im Alltag inspirierende Momente erleben und diese nutzen kann. Zur Bestätigung ihrer Skala verglichen die Psychologen Menschen, die Patente angemeldet hatten, mit einer Gruppe von College-Alumni ohne Patente. Die Erfinder hatten höhere Inspirationswerte – durchschnittlich 20 Punkte für Häufigkeit und Intensität. Die nicht erfinderischen Alumni lagen für jede Subskala nahe bei 17.

„Der Begriff ‚Kundeninspiration‘ geht dabei über alle bekannten Marketing-Konstrukte wie Kundenzufriedenheit und Kundenbegeisterung hinaus, die einfach nicht mehr ausreichen. Vielmehr geht es darum, Neues, Begehrenswertes ins Bewusstsein zu rücken, das über die klassische Kundenzufriedenheit hinausgeht, die lediglich die Erwartungen der Kunden erfüllt.“ Als Pionier des Konzepts der Pop-up-Stores gilt Russell Miller, Eventmanager und CEO von Vacant aus Los Angeles. Er beobachtete 1999 in Tokio, wie Japaner in langen Schlangen vor einem Shop anstanden, um limitierte Waren zu kaufen. Sobald die Waren ausverkauft waren, wurde der Laden einfach geschlossen, bis neue Waren eintrafen. Das inspirierte ihn zum bis heute aktuellen Pop-up-Modell, bei dem die Läden für einen definierten Zeitraum öffnen und dann einfach schließen, nur um später an einem anderen Ort wieder aufzupoppen.

  • Die Testpersonen, die hohe Messwerte hatten, tendierten auch zu einer hohen Punktzahl bei drei anderen verwandten Eigenschaften:
  • Transzendenz, eine Inspirationseigenschaft, die den Antrieb steuert, den man braucht, um eine Arbeit zu meistern,
  • Motivation als Leistungsziel und
  • Evokation, das Wachrufen von Gedanken und Assoziationen, verknüpft mit der Aufgeschlossenheit für neue Erfahrungen und der Absorbierung wie der Vertiefung in die Arbeit, das „Im-Flow-Sein“.

Die Wissenschaftler belegten damit die große Bedeutung von Inspiration: Durch Inspiration können wir unsere alltäglichen Erfahrungen und Limitierungen überwinden. Wir können diesen starken Antrieb nutzen, um unsere Ziele zu erreichen, für gesteigerte Produktivität, Kreativität und für unser allgemeines Wohlergehen. Das alles passiert ohne eine einzige Veränderung der persönlichen Fähigkeiten oder der fachlichen Qualifikation.