Was ist der größte Raum der Welt? Antwort: „Der Raum für Verbesserung.“ Doch verfügen Unternehmen überhaupt über die physischen Räume, die Mitarbeiter dazu anregen, diesen mentalen Raum auch zu nutzen? Und inwieweit steht der Mangel an Denk-Zeit für Inspirationen auch in direktem Zusammenhang mit einem Mangel an Denk-Raum?

Fakt ist: Die Mehrzahl der modernen Büros sind immer noch auf vordergründige Effizienz getrimmt. Möglichst viele Menschen sollen zu möglichst niedrigen Kosten untergebracht werden. Rund 90 Prozent der Arbeitnehmer weltweit sind mit ihrer Arbeitsumgebung unzufrieden, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Marktforschers Ipsos im Auftrag des Büromöbelherstellers Steelcase. Der Gallup Engagement Index belegt zudem: Nur fünf Prozent der Mitarbeiter sagen, dass ihr Arbeitgeber eine Denkweise „out of the box“ unterstützt, die erforderlich ist, um Inspirationen und damit Innovationen zu fördern.

Dabei krempelt die Digitalisierung gerade Märkte und Arbeitswelten um. Erneuerung ist das Gebot der Stunde. „In diesem Umfeld wird agiles, flexibles Arbeiten die Norm, Arbeitsplätze werden mehr Luxus oder Belohnung sein“, prophezeit Ken Raisbeck, EMEA-Berater bei CBRE in London, einem führenden Immobilien-Dienstleister. „Der Grund, warum die Leute ins Büro gehen, ändert sich. Sie sind mehr kollaborativ“, sagt er. Cheryl Durst, CEO der International Interior Design Association in Chicago, ist überzeugt, dass das neue Konzept der „Touch-down-Zonen“ die Art der Arbeit eher positiv beeinflusst als feste Schreibtische: Bewegliche Wände mit schallabsorbierenden Stoffen werden den Arbeitnehmern die Privatsphäre schaffen, die sie benötigen, und „Hubs“ werden die Zusammenarbeit fördern. „Hygienefaktoren“ wie Beleuchtung, Temperatur, Ergonomie und dergleichen werden anspruchsvoller und datenbasierter, um den Mitarbeitern gerecht zu werden. Neue Technologien wie 3D-Druck erschaffen maßgeschneiderte ergonomische Büromöbel.

Vorbild: mal wieder Silicon Valley

Die Realisierung von Ideen, Räumen und Platz für Inspirationen, stammt, mal wieder, aus dem Silicon Valley. Die Google Garage etwa ist der kollaborative Arbeitsbereich, der Mitarbeiter auf verrückte, kreative Ideen bringt. „Die Garage ist irgendwie mein Spielplatz“, sagt Nadya Direkova, Design Evangelist bei Google. „Wenn du hereinkommst, kannst du sehen, dass du auf den Tischen schreiben kannst oder auf den Wänden und dann kannst du die Tische neu konfigurieren. Alles ist auf mobil.“ Laut User Experience Designer Alex Cuthbert ist genau dieses spielerische Gefühl wichtig für gute Arbeit und eine Voraussetzung, um mentale Barrieren zu brechen und Kreativität zu fördern. „Das Umfeld beeinflusst das menschliche Verhalten“, weiß Frederik Pferdt, Googles Global Program Manager für Innovation und Kreativität. „Also, wenn du Kreativität und wilde Ideen und ‚Moonshot‘-Denken ermutigen willst, solltest du genau das Umfeld schaffen, das dir hilft, das zu erreichen.“

Das Muster ist immer gleich: Inspiration zum Einkauf durch Zeitverknappung. „Explizites Wesensmerkmal des Pop-up-Stores ist die Herausstellung der zeitlich begrenzten Präsenz des Ladens. Das weckt sowohl Interesse beim Kunden als auch den Eindruck, etwas zu verpassen“, sagt Lena Knopf, Projektleiterin Handelsimmobilien + Expansion beim EHI Retail Institute e. V. „Die Öffentlichkeitsarbeit erfolgt daher stark über die sozialen Medien und Mund-zu-Mund-Propaganda – mit gezielter Verstärkung, etwa durch Festivals oder den Auftritt von bekannten Musikstars, passend zur Zielgruppe.“ Für den Verbraucher ist die Kenntnis des Standortes ein Zeichen der Zusammengehörigkeit, eine Art Loyalität mit dem Hersteller zu demonstrieren. Der Konsument wird damit zum Mitwisser des Geheimtipps.

Verschiedene Räume für bessere Ergebnisse

Auch wenn nicht jedes Unternehmen gleich neu bauen kann – Denk-Räume zum Out-of-the-Box-Denken lassen sich trotzdem gestalten, ist Julia Klaus, Insight-Led Experience Consultant bei Steelcase, überzeugt. „Um kreative Ergebnisse zu erzielen, müssen Unternehmen heute verschiedene Räume anbieten“, sagt sie. Generell hat sie zwei Stadien identifiziert, die in der digitalisierten Welt für die meisten Unternehmen gelten. Im ersten Stadium geht es darum, so viel wie möglich an Informationen von Kunden einzusaugen und mit Kollegen zu teilen. Auf diese Phase der ersten Inspiration folgt das konzentrierte, fokussierte Reflektieren darüber, welche der Tausend möglichen Richtungen verfolgt wird.

Jedes dieser Stadien brauche unterschiedliche Arbeitsräume: In der ersten Phase geht es um Offenheit, Austausch und Kollaboration. Hierfür sind analoge sowie digitale Visualisierungsflächen erforderlich: Post-its kleben, Wände voll schreiben, Kollegen online integrieren. In der nächsten Phase geht es darum, fokussiert zu arbeiten. Dazu ist es sinnvoll, Plätze zu schaffen, in denen Menschen alleine sind oder in kleinen Gruppen weiterarbeiten können. Julia Klaus: „Um Denk-Räume zu gestalten, müssen Unternehmen nicht jeden Trend aufgreifen. Wichtiger ist es, maßgeschneiderte authentische Räume zu schaffen, die zur eigenen Kultur passen.“

Ein gutes Beispiel dafür ist das Schweizer Biopharma-Unternehmen Actelion, mit 2.500 Mitarbeitern und Niederlassungen in mehr als 25 Ländern. Die renommierten Architekten Herzog & de Meuron gestalteten authentische Räume, die der Unternehmenskultur des „Together we innovate“ entsprechen. Da die richtige Balance zwischen Teamarbeit und konzentrierter Einzelarbeit ein entscheidender Faktor für Innovationen ist, wurden offene Bereiche geschaffen, die die Kommunikation und den Austausch untereinander fördern. Im neuen Business Center gleicht durch die versetzte Stapelung der einzelnen Gebäudeteile kein Geschoss dem anderen. Jedes Büro hat eine individuelle Position und Aussicht. Zudem wurden ergonomische Arbeitsplätze geschaffen, um das Wohlbefinden der Mitarbeiter und deren gemeinsames Denken zu unterstützen.

Inspiriert auch ohne Mauern

Die Realisierung von Ideen, Räumen und Platz für Inspirationen, stammt, mal wieder, aus dem Silicon Valley. Die Google Garage etwa ist der kollaborative Arbeitsbereich, der Mitarbeiter auf verrückte, kreative Ideen bringt. „Die Garage ist irgendwie mein Spielplatz“, sagt Nadya Direkova, Design Evangelist bei Google. „Wenn du hereinkommst, kannst du sehen, dass du auf den Tischen schreiben kannst oder auf den Wänden und dann kannst du die Tische neu konfigurieren. Alles ist auf mobil.“ Laut User Experience Designer Alex Cuthbert ist genau dieses spielerische Gefühl wichtig für gute Arbeit und eine Voraussetzung, um mentale Barrieren zu brechen und Kreativität zu fördern. „Das Umfeld beeinflusst das menschliche Verhalten“, weiß Frederik Pferdt, Googles Global Program Manager für Innovation und Kreativität. „Also, wenn du Kreativität und wilde Ideen und ‚Moonshot‘-Denken ermutigen willst, solltest du genau das Umfeld schaffen, das dir hilft, das zu erreichen.“

Helena Clayton, Principal Consultant des britischen Leadership Institute Roffey Park, ist dagegen überzeugt, dass Denk-Räume keine Mauern brauchen: „Die meisten Ideen werden nicht im Büro entwickelt. Sie passieren entweder in neutraler Umgebung, wie bei einem Spaziergang in der Natur, im Auto oder in Flugzeugen oder zu Hause – im Bad, im Bett oder im Garten, wo man träumen und sich treiben lassen kann“, sagt sie.