„Innovation ist ein globaler Imperativ“

Andreas von Bechtolsheim, einer von vier Gründern von Sun Microsystems und einer der ersten Investoren bei Google, über den Erfolgsfaktor Motivation und die wichtigsten Schritte auf dem Weg vom ambitionierten Forscher zum erfolgreichen Unternehmer.

Wie haben Sie es geschafft, vom „Jugend forscht“-Sieger bis ganz an die Spitze zu gelangen? Das liegt an meiner Persönlichkeit. Ich sehe meinen Persönlichkeitstypen als den des Ingenieurs, der gerne Sachen erforscht, Dinge baut und verbessert, Probleme löst und die Struktur dahinter findet.

Wie und wann haben Sie festgestellt, dass Sie zu diesem Persönlichkeitstypus gehören? Menschen mit diesem Persönlichkeitstypus gehören zu ungefähr zwei Prozent der Gesamtpopulation. Sie haben diesen sehr starken angeborenen Wunsch, die Welt um sich herum zu verändern, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Typischerweise finden diese Menschen das in einem sehr frühen Alter heraus. Ich war vier Jahre alt.

Wer gehört zu diesen zwei Prozent und was zeichnet diese Menschen aus? Das kann ein Ingenieur sein, der ein besseres Produkt entwickelt oder mit seinem Unternehmergeist zum Entrepreneur wird, der diese Produkte auf den Markt bringt. Wir sehen es besonders im Hightech. Dort gibt es ständig Innovationen in Hardware und Software. All das wird von besonderen Persönlichkeiten angetrieben. Damit drücken sich diese Menschen aus.

Wie schaffen es diese Persönlichkeiten, dann auch ganz nach oben zu kommen? Es ist die treibende Kraft dieser Menschen, die die Welt verändern wollen, auch in der Wirtschaft, wo sie Bereiche identifizieren, wo sie anpacken können. Sie entwickeln Ideen, identifizieren sich damit, engagieren sich und verwandeln diesen Traum in die Realität. Diese Kraft ist angeboren und kann nicht erlernt werden.

Sie sind selbst Unternehmer. Worauf achten Sie, wenn Sie einen Mitarbeiter einstellen? Wenn wir bei Arista nach Ingenieuren Ausschau halten, schauen wir uns an, wer diese Person ist und was sie motiviert, da die innere Motivation, warum Menschen etwas tun, wirklich schwer zu entwickeln ist. Es ist ja auch nicht so, dass Menschen eines Tages aufwachen und sagen: „Ich möchte ein Ingenieur oder Wissenschaftler oder Unternehmer werden.“ Sie müssen den starken Wunsch haben, diese innere Motivation, die sie antreibt.

Was empfehlen Sie dem Unternehmernachwuchs in Deutschland? Ich bin ein großer Fan von „Jugend forscht“, wo junge Menschen früh dazu ermutigt werden, über ihre Ziele nachzudenken, bevor sie von Facebook, Twitter oder Snapchat abgelenkt werden. Diese Kids wollen Probleme lösen, sie haben eine starke persönliche Motivation und „Jugend forscht“ unterstützt sie dabei, die nötigen Fertigkeiten zu entwickeln. Darüber hinaus haben einige Unternehmen, wie Google oder Intel, Technik-Messen, um junge Talente zu fördern.

Was kann von der Uni aus der nächste Schritt sein, um sein Talent zu verfolgen, um erfolgreich zu sein in einer Karriere? Gehen Sie zu Science Fairs. Starten Sie ein eigenes Unternehmen im Silicon Valley mit etwas, das es noch nicht gibt – oder arbeiten Sie in einem innovativen Unternehmen.

Was macht Unternehmer im Silicon Valley erfolgreich? Ist es Glück, gutes Timing, oder helfen Mentoren? Es gibt eine hohe Konzentration von Talent im Silicon Valley in einer engen Community mit Leuten aus bestimmten Bereichen und Feldern, die wissen, was los ist. Einer der heißesten Bereiche ist jetzt künstliche Intelligenz und Machine Learning. Und es gibt nur einige Leute, die dieses Zeug wirklich schon beherrschen.

Wie finden aufstrebende Talente das richtige Umfeld? An der Universität von Stanford tauschen sich die Studenten ungezwungen untereinander aus und fordern sich gegenseitig heraus. Sobald sie arbeiten, fällt dieser Austausch wegen des starken Wettbewerbs weg. Die Innovationszyklen werden immer schneller. Junge Leute, die gerade aus Stanford oder irgendeiner anderen Uni kommen, haben keine eingeschränkten Vorstellungen und widmen sich einfach ihrer Erfindung. Sie müssen sich keine Sorgen um Familien und Zahlungen machen.

Hatten Sie selber einen Mentor? Nein, ich hatte keinen Mentor. Wir waren ein Team von Zwanzigjährigen und nur einer von uns hatte Geschäftserfahrung.

Wurde nicht schon alles erfunden? Menschen, die denken, dass alles schon erfunden wurde, liegen völlig falsch. Im Gegenteil! Es gibt heute mehr Möglichkeiten, Dinge zu erfinden, als es vor fünf oder zehn Jahren möglich war.

Wenn man sich das Silicon Valley anschaut, denkt man, alles dreht sich um Computer? Nicht alles wurde mit Computern gemacht, aber sie eröffnen unbegrenzte Möglichkeiten für neue Anwendungsgebiete in neuen Geschäftszweigen.

Wie lautet Ihr Rat an aufstrebende Talente, die Ihrem Karriereweg nacheifern? Der Schlüssel ist, nicht zu glauben, sie sind in einer Box gefangen, dass es nur einen bestimmten Weg gibt im Leben und einen Pfad, von dem man nicht abweichen kann. Deutschland ist technologisch nicht abgehängt. Die Möglichkeiten sind überall gleich in der Welt. Packt Business-Möglichkeiten auf jedem Level an und lauft damit los! Das gilt für etablierte und für neue Unternehmen. Innovation ist ein globaler Imperativ.

Das Gespräch führte Gabrielle Klawitter.