Zeki ist ein durchtriebener Kleinkrimineller – aber mit Charme. Im Spielfilm „Fack ju Göhte“ eroberte der smarte Ganove als Ersatzlehrer Herr Müller zuerst die Herzen seiner Klasse und seiner Kollegin – und am Ende die Herzen des deutschen Kinopublikums. 7,3 Millionen Menschen strömten seit November 2013 in die Kinosäle, um sich an der rotzfrechen Schul- und Liebeskomödie zu erfreuen.

Der Überraschungserfolg mit Elyas M’Barek, Karoline Herfurth und Katja Riemann in den Hauptrollen ist alles andere als eine Eintagsfliege. Man schaut wieder deutsch: Im ersten Halbjahr 2014 erzielten deutsche Kino-Produktionen einen Marktanteil von mehr als 31 Prozent an den Kinokassen. Ob „Kokowääh 2“ von und mit Til Schweiger, die Bestsellerverfilmung „Der Medicus“, der „Schlussmacher“ mit Matthias Schweighöfer oder „Stromberg – der Film“, sie alle lockten ein Millionenpublikum in die Multiplexe. Ein lohnendes Geschäft auch für Produzenten und Verleiher.

So rosig waren die Zeiten für die deutsche Filmwirtschaft nicht immer. Noch in den 90er-Jahren dümpelten die Marktanteile der heimischen Celluloid-Branche bei teilweise unter zehn Prozent. Eher trostlose und handwerklich bieder gemachte deutsche Filmkunst­werke hatten der technisch und mit Weltstars hochgerüsteten amerikanischen Entertainment-Industrie nichts entgegenzusetzen.

Das hat sich grundlegend geändert – auch dank der Hilfe bisweilen geschmähter staatlicher Subventionen. „Ohne das Instrument der Filmförderung hätte der deutsche und europäische Kinofilm keine Chance gegen die Übermacht aus Hollywood“, sagt Christina Bentlage von der Film und Medien Stiftung NRW. Insgesamt haben der Bund und die Länder den deutschen Kinofilm im vergangenen Jahr mit 351 Mio. Euro unterstützt, allein Nordrhein-Westfalen stellte mehr als 36 Millionen Euro zur Verfügung. Im Vergleich zu den insgesamt mehr als 150 Milliarden Euro staatlicher Subventionen in Deutschland, die in Brauereien, Werften und viele andere Branchen fließen, ist das ein ausnehmend bescheidener Beitrag. Umstritten ist er dennoch. Der Deutsche Steuerzahlerbund prangert unverdrossen den vermeintlichen „Subventionsirrsinn“ bei der deutschen Filmförderung an.

Berechtigt sind solche Vorwürfe nicht. Während etwa eine „Pendlerpauschale“ für Arbeitnehmer keinerlei volkswirtschaftliche Mehrgewinne erbringt, sind diese in der Filmbranche unbestritten. Dies gilt erst recht für den 2007 aufgelegten Deutschen Filmförderfonds (DFFF), der bei der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien angesiedelt ist. Er ist mit rund 60 Millionen Euro pro Jahr sehr üppig ausgestattet und weist noch einen anderen wichtigen Unterschied zu allem vorher Dagewesenen auf: Er wendet sich explizit auch an ausländische Filmproduzenten, sogar aus Hollywood.

Manch einer reibt sich da verwundert die Augen und fragt: Warum sollen die deutschen Steuerzahler die amerikanische 100-Millionen-Dollar-George-Clooney-Produktion „Monuments Men“ mit einigen Millionen Euro unterstützen, nur damit der Weltstar ein paar Szenen im Ostharz drehen kann?

Doch ganz so simpel liegt die Sache nicht. Der DFFF verpflichtet die ausländischen Produzenten dazu, das in Deutschland erhaltene Geld mindestens in gleicher Höhe auch hier auszugeben. In der Praxis ist es sogar viel mehr. Seit seinem Bestehen hat der Fonds nahezu 300 internationale Filmproduktionen bezuschusst – mit enormem Hebeleffekt. Ob „Operation Walküre“ (Tom Cruise), „Inglourious Basterds“ (Quentin Tarantino) oder „Grand Budapest Hotel“ (Wes Anderson). Alle Reißer ließen in good old Germany weitaus mehr Geld zurück, als sie an Zuschüssen bekamen: mit Faktor 1 zu 5,91, wie der DFFF errechnet hat.

Besonders profitieren davon die Filmmetropolen Berlin, München und Köln. Dort hat sich aufgrund des anhaltenden Booms und der internationalen Zusammenarbeit eine hochprofessionelle Dienstleistungsszene gebildet. Vom Technikverleih über Szenenbildner und großzügige Außenrequisiten bis hin zu Special-Effect-Studios finden hier selbst Hollywoodregisseure (fast) alles, was für die Umsetzung einer Großproduktion notwendig ist. Und obendrauf noch ein breites Spektrum von Originalschauplätzen in den angrenzenden Regionen, wenn es um historische Filmstoffe geht.

Der DFFF hat aber mehr als nur die internationale Klientel im Visier. Vor allem trägt er dazu bei, deutsche Filme hochwertiger und damit erfolgsträchtiger zu machen. Sämtliche 20 besucherstärksten Kinofilme des Vorjahres sind mit DFFF-Mitteln bezuschusst worden, zusammen mit insgesamt fast 23 Mio. Euro.

Zusätzlich müssen Produzenten jedoch weiterhin zur Projektfinanzierung bei anderen Förderinstitutionen Geld einsammeln. Wer in Deutschland einen gut ausgestatteten und konkurrenzfähigen Kinofilm herstellen will, muss an viele Türen anklopfen. Allein der Bund unterhält neben dem DFFF noch zwei weitere Geldtöpfe. Hinzu kommen sieben große regionale und darüber hinaus noch eine Handvoll gering dotierte Filmförderungen in der Provinz – von Mecklenburg-Vorpommern bis ins Saarland.

Hinter der Förderpolitik stecken nicht nur hehre kulturpolitische Absichten, sondern harte wirtschaftliche Standortinteressen. Bayern, Berlin oder NRW konkurrieren darum, wo Filmcrews ihre Sets aufbauen oder die digitale Postproduktion in Auftrag geben. Die meisten Förderungen haben dabei in ihren Richtlinien sogenannte „Regionaleffekte“ verankert. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise muss für jeden Förder-Euro mindestens die 1,5-fache Summe an Rhein und Ruhr ausgegeben werden. Egal, ob fürs Catering oder einen Kulissenbauer. „Aktuell liegen wir sogar bei 225 Prozent regionaler Wertschöpfung“, weiß Christina Bentlage.

Schon sehr frühzeitig müssen Produzenten in der Stoffentwicklung und Finanzierungsphase mit den geforderten regionalen Wertschöpfungs­vorgaben jonglieren. Ganz konkret: Spielt ein Film komplett an der Ostsee, wäre es wenig opportun, ausgerechnet in Bayern um ein Darlehen anzufragen. Es sei denn, Darsteller, Regisseur, Kamera- und Beleuchtungs­team versteuern ihre Einnahmen im Freistaat und auch die Postproduktion findet noch in Studios an der Isar statt.

In diesem Finanzierungsdschungel sind eine absolut korrekte Vergabepraxis sowie Kontrolle und Zuordnung der Abrechnungen erforderlich. Für viele Filmproduktionen heißt es erst dann „Kamera läuft“, wenn Aynur Norman oder eine ihrer Kolleginnen aus dem Team die Gelder freigegeben haben. Die PwC-Medienexperten aus dem Bereich Advisory Finance & Regulation unterstützen die Filmförderungsanstalt (FFA) in Berlin, den Deutschen Filmförderfonds (DFFF), die Mitteldeutsche Medienförderung (MDM) in Leipzig, die Nordmedia in Hannover und die Film und Medien Stiftung NRW. „Wir entscheiden zwar nicht, ob ein Filmprojekt gefördert oder abgelehnt wird. Aber unser Job ist es, nach einer Vergabeentscheidung die betriebswirtschaftliche Bewertung und somit auch die Verwendung der öffentlichen Gelder zu prüfen“, sagt Norman. Hält der Produzent die Förderrichtlinien ein? Sind die Kalkulationen und Finanzierungen nachvollziehbar? Wie plausibel, transparent und belastbar sind die eingereichten Verträge und Belege?

„Filmproduktion ist eine sehr spezielle Branche mit ganz besonderen Regeln“, sagt Norman. „Unser Vorteil bei PwC ist, dass wir über eine weltweite Datenlage und einen großen Wissenspool verfügen. Daher können wir nicht nur überprüfen, ob Verfahrensabläufe formal eingehalten werden. Wir sind auch zunehmend als Berater gefragt, um die betriebswirtschaftlichen Erfolgsaussichten eines Filmprojektes besser kalkulieren zu können.“

In der Regel bildet die staatliche Filmförderung die zentrale Säule für eine Filmfinanzierung. So erhielt „Fack ju Göhte“ insgesamt 3,8 Mio. Euro, davon fast die Hälfte Fördermittel des Bundes, den Rest aus Bayern und Berlin-Brandenburg. Über Lizenzverkäufe an Fernsehsender, Vorauszahlungen von Filmverleihern und das sogenannte Home-Video-Geschäft wird das Budget geschlossen, noch bevor die Dreharbeiten beginnen. Bei vielen Produktionen bleibt jedoch eine Lücke. Die muss mit Gagenrückstellungen, eigenen Barmitteln oder Darlehen geschlossen werden. Oft genug ist das für unterkapitalisierte Filmproduktionen ein Balanceakt am finanziellen Abgrund, wenn Produktionskosten durch unvorhersehbare Zwischenfälle oder eine schlechte Kalkulation gesprengt und Bankkredite fällig werden.

Für die Macher von „Fack ju Göhte“, die Münchner Rat Pack Filmproduktion und die Constantin Film AG, hat sich das Risiko jedenfalls gelohnt. An den Kinokassen spielte die Komödie bereits 55 Millionen Euro ein. Unter dem international kompatiblen Titel „Suck me Shakespeer“ soll der Streifen nun auch weltweit reüssieren. Beim Bayerischen Filmförderfonds (FFF) haben die Produzenten ihr Darlehen bereits medienwirksam unter dem Motto „Scheck is back“ zurückgezahlt.

Die Aussichten für die deutsche Filmbranche sind auch in Zukunft vielversprechend. Weil sich das System der Filmförderung trotz aller bürokratischen Hindernisse und föderaler Zersplitterung grundsätzlich bewährt hat, ist sogar die Politik inzwischen damit zufrieden. Nur hin und wieder nehmen die Haushälter in den Parlamenten marginale Abstriche vor. So kann die heimische Filmwirtschaft weiter wachsen und auch international mit Oscars für deutschsprachige Leinwandstars wie Christoph Waltz punkten.

Laut „German Entertainment and Media Outlook“ von PwC wird die deutsche Filmwirtschaft bis 2017 um 4,3 Prozent jährlich wachsen. Sowohl beim Ticketverkauf an den Kinokassen als auch im Home-Entertainment-Bereich rechnen die Experten mit einem leichten, aber stetigen Anstieg. Dagegen werden sich die Umsätze im digitalen Verkauf und Verleih von Filmen, also Video-on-Demand im Abonnement oder Einzelabruf, mehr als verdreifachen.

Doch diese Prognosen werden nur dann eintreffen, wenn die deutschen Produzenten, Autoren und Regisseure weiterhin so kreativ sind wie bisher. Treffend wie nüchtern befindet der PwC-Report: „Auch in Zukunft werden attraktive Filme, gute Stories und bekannte Hauptdarsteller die Hauptgründe für einen Kinobesuch sein.“